Tüv-Sachverständiger berichtet

So gefährlich sind Indoor-Spielplätze

Auf Indoor-Spielplätzen sollen schon Kleinkinder alleine spielen können. Was Eltern jedoch nicht wissen: Viele der Anlagen weisen gefährliche Mängel auf, das berichtet ein Sachverständiger vom Tüv Rheinland.

Als Peter Löw diesen Indoor-Spielplatz prüft, kann er seinen Augen kaum trauen: Bei einer großen Netztunnel-Anlage, in der die Kinder unter Netzen durchkriechen sollen, sind die Bodenplatten lose. „Das bedeutet, die Kinder wären durchgerutscht und auf den Boden gestürzt“, sagt der Sachverständige des Tüv Rheinlands. Den Betreibern sei das nicht aufgefallen. Aus den Papieren der Anlage entnimmt der Prüfer, dass es sich dabei um eine Billig-Anlage aus China handelt. „Ich habe die Netztunnel-Anlage dann gesperrt. Ob das auch umgesetzt wurde, weiß man natürlich nicht.“ Denn niemand kontrolliert, ob eine untaugliche Spielanlage wirklich aus dem Verkehr gezogen wird oder nicht. „Bei Indoor-Spielplätzen gilt in Deutschland die sogenannte Betreiberhaftung. Das bedeutet, es gibt keine unabhängigen Kontrollen, sondern der Betreiber ist alleine für die Sicherheit der Spielgeräte verantwortlich.“ Es gibt auch keine Behörde, die kontrolliert, ob er die Geräte regelmäßig vom Tüv, der Dekra oder anderen Instituten prüfen lässt. Das bedeutet, oftmals fallen solche Mängel auf Indoor-Spielplätzen gar nicht auf, weil die Betreiber ihre Anlage nicht freiwillig vom Tüv prüfen lassen - und wenn doch, wird nicht nachgehalten, ob Mängel auch beseitigt werden.


Diese Mängel gibt es auf Indoor-Spielplätzen in NRW

Entsprechend sind die losen Platten auf der Netztunnel-Anlage auch kein Einzelfall in NRW oder in ganz Deutschland. „Ich sehe leider sehr häufig Mängel, sowohl als Prüfer, als auch als Vater bei Privatbesuchen.“ Lose Schrauben an Metallgerüsten, durch die Kinder klettern, habe er schon festgestellt. Mäuler von sogenannten Schnappies waren fehlerhaft, sodass Kinder beim hindurchkrabbeln daran hängen bleiben könnten. (Die Mäuler klappen regelmäßig auf und zu, deshalb werden die Spielgeräte so genannt.) „Manchmal sind es aber auch ganz offensichtliche Dinge, die man mit bloßem Auge sehen würde, wenn man die Anlage täglich kontrolliert“, sagt Löw. „Unter Trampolinen habe ich schon lose Schrauben vom Trampolingestellt gefunden. Das darf nicht passieren. Um das zu sehen, muss man sich ja nur bücken.“ Überhaupt machen die vielen neuen Trampolinhallen dem Tüv-Prüfer Sorge. „Die DIN-Norm für Indoor-Spielplätze ist ja schon nicht ausreichend, aber für Trampoline gibt es bislang so gut wie gar keine Sicherheitsangaben.“ Viele Betreiber hätten zudem keine Ahnung von Spielanlagen. „Es sind Leute, die spontan auf die Idee gekommen sind, so eine Anlage zu eröffnen, sich aber nicht auskennen“. Und bei Privatbesuchen sieht Löw oft, dass die zulässige Personenzahl auf den Spielgeräten überschritten wird und Rettungswege durch Bierzelttische und -bänke versperrt werden. „Sollte wirklich ein Feuer ausbrechen, ist das unglaublich gefährlich“, sagt Löw.

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