Der Schriftsteller Arnfrid Astel ist tot

Ein Meister intuitiver Verstrickung

Arnfrid Astel und Peter Rühmkorf (rechts) vor etlichen Jahren am Saarbrücker Staden.FOTO: Klaus Trenz

Saarbrücken/Trier. Der Schriftsteller und Lyriker Arnfrid Astel ist tot. Er starb gestern im Alter von 84 Jahren in Trier. Als streitbarer SR-Literaturredakteur, Dozent und Lyriker galt er als wichtige Stimme nicht nur der saarländischen Literaturlandschaft.

Arnfrid Astel, der gestern früh völlig überraschend im Alter von 84 Jahren in seiner Wahlheimat Trier starb, war als Mensch und Künstler ein Meister der intuitiven Verstrickung. Wenn andere bereits in Naheliegendem gedanklich verendeten, nahm der versierte Querkopf Astel dort überhaupt erst Fahrt auf und spann (nicht zuletzt dank eines mythologisch und naturkundlich beneidenswerten Wissens) zuhauf Ideen, sodass seine Gesprächspartner nur schwer hinterher kamen. Selbstredend floss viel davon in seine Dichtung ein, in der sich Astel vornehmlich als Epigrammatiker über die Region hinaus einen Namen gemacht hat.

Seine seit vielen Jahren im Internet unter dem Titel „Sand am Meer“ zugänglich gemachten, von ihm als „Sinn- & Stilübungen“ apostrophierten Gedichte wurden – je altersweiser er wurde – immer öfter zur Schatzkammer des Sagbaren von eigentlich Unsagbarem. Weil Astel, in den standhaftesten seiner in die Tausende gehenden Kurzgedichte, der Epiphanie des Augenblicks huldigte – einem der literarisch schwierigsten Geschäfte. Ging es ihm doch oft genug darum, „das Nichtbeachtete zu achten; auch in Zeiten, wo es oft verachtet wird“ – wie Astel 2011 in seiner Dankesrede für den ihm verliehenen Gustav-Regler-Preis sein schriftstellerisches Ideal umriss.

Der Einfluss, den Astel lange Zeit auf die saarländische Literatur hatte, lässt sich kaum unterschätzen. Nicht alleine deshalb, weil er 30 Jahre lang die Literaturabteilung des SR prägte, als deren äußerst streitbarer, wiewohl höchst origineller Kopf. Sondern auch durch sein legendäres, von 1979 bis 1995 an der Saarbrücker Uni gehaltenes Schreibseminar „Einhornjagd & Grillenfang“, aus dem (wenngleich in einer gewissen Selbstüberschätzung ihrer Eleven) die sogenannte „Saarbrücker Schule“ hervorging – eine Reihe mehr oder weniger talentierter Astel-Jünger, zu denen etwa Klaus Behringer, Martin Bettinger, Helge Dawo, Erhard Schmied und Wolfgang Stauch gehörten.

top