Theaterpreis „Faust“

Früherer SST-Tänzer ist Deutschlands bester

Ramon A. John war auch Plakatmotiv für den Staatstheater-Abend „Kylian_Celis_Chaix“ (2016). FOTO: ©Bettina St“a / ©Bettina St“a

Saarbrücken. Ramon A. John hat den Theaterpreis „Der Faust“ erhalten. Bis 2016 tanzte er in Saarbrücken.

Der Wiedererkennungswert ist enorm, denn Ramon A. John ist seine eigene Marke. Den Mann mit der Null-Haar-Frisur und den langen Gliedmaßen vergisst man nicht. Wenn dieser Tänzer in Saarbrücker Staatstheater-Produktionen seine Partnerinnen umarmte, schienen sich seine Arme mehrfach um deren Körper zu legen, Lianen gleich. Der aus Fulda stammende Tänzer gehörte sechs Jahre lang, bis 2016, zum Ballettensemble des SST. Seine beinahe schon extravagante Physis, gepaart mit hoher Expressivität, machte ihn zum wohl auffälligsten,  vom Publikum konstant gefeierten Saarbrücker Tänzer. Nun hat den hiesigen Publikumsliebling auch die Theaterzunft entdeckt und ihn als besten Tänzerdarsteller des Jahres mit dem Theaterpreis „Der Faust“ ausgezeichnet, für seine Rolle als Wanderer in „Die Winterreise“ am Hessischen Staatstheater Wiesbaden (Choreografie: Ballettdirektor Tim Plegge). John ist seit seinem Abschied aus dem SST in der gemeinsamen Tanzsparte der Staatstheater Darmstadt und Wiesbaden engagiert. Er musste sich im Velodrom in Regensburg, wo die „Faust“-Verleihung am Wochenende stattfand, gegen zwei Konkurrenten aus wahrlich starken Ensembles behaupten, sie kamen vom Stuttgarter Ballett und aus dem Wuppertaler Tanztheater Pina Bausch.  

Es war die frühere Compagnie-Chefin Marguerite Donlon, die den  Sohn eines aus Trinidad stammenden US-Amerikaners und einer Deutschen nach Saarbrücken holte, direkt nach seiner Ausbildung an  der Frankfurter Hochschule für Musik und Darstellende Kunst. Dort lehrte Donlon als Dozentin. In ihrem Stück „Soma“ (2011) fiel der junge Tänzer erstmals auf, danach gab ihm der jetzige Ballettchef Stijn Celis, damals noch Gastchoreograf, die Chance, die Stiefmutter in seiner „Cinderella“-Version (2012) zu tanzen. Als raumgreifende, aggressiv erotische Riesin gestaltete John diese seine Paraderolle. Und immer wieder bot er am SST, insbesondere  zusammen mit seiner Idealpartnerin Liliana Barros, großes Gefühlskino.

„Der Faust“ wird in neun Kategorien vergeben, während einer Gala. Die Verleihung findet jedes Jahr in einem anderen Bundesland statt und wird maßgeblich vom Deutschen Bühnenverein gemanagt. Auch Saarbrücken war 2015 schon mal Gastgeber-Stadt. In Regensburg wurde jetzt unter anderem der Komponist Aribert Reimann  für sein Lebenswerk ausgezeichnet, und als beste Choreografie beurteilte die Jury, der unter anderem Theaterintendanten und Tanzdirektoren angehören, Sharon Eyals „Soul Chain“-Stück am Staatstheater Mainz.


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