„Museum modern“ im K20

Über den Tellerrand schauen

Blick in die Ausstellung „Museum global“: das Bild „Krise“ (1967) des Nigerianers Demas. FOTO: dpa / Roland Weihrauch

In der neuen Schau der Kunstsammlung NRW stehen Werke des westlichen Kanons neben Arbeiten aus entlegenen Orten der Erde.

Mit Klee muss man beginnen. Vor „Kopf, Hand, Fuß und Herz“ stehen und staunen, dem zarten Aquarell von 1930, das das Herz berührt. Mit Paul Klee beginnt auch die Geschichte der Kunstsammlung NRW. Mit ihm, den die Nationalsozialisten als Professor aus der Kunstakademie stießen und verfolgten, weil sie seine Bilder nicht verstanden, den sie wie viele seiner Zeitgenossen als entartet diskreditierten, begann die institutionalisierte Kunstgeschichte nach dem Zweiten Weltkrieg in Düsseldorf neu.

Zukunftsgewandte Politiker erwarben 1960 ein Konvolut von Klees Werken – der Grundstein zur Landesgalerie mit Schwerpunkt Klassischer Moderne war gelegt. Auch eine Geste der Wiedergutmachung und als Zeichen neuer Aufgeschlossenheit. Diese 88 Stücke umfassende Kleesammlung reiste um die ganze Welt. Ab heute ist sie wieder in Düsseldorf ausgestellt. Als Prolog zu einer Tour d’horizon, die „Museum global“ heißt und an abseitige Orte der Kunstgeschichte führt, die bisher außerhalb unserer Vorstellungswelt lagen.

„Lang ersehnt“ hat Museumschefin Susanne Gaensheimer diese Ausstellung, sie will viel noch mehr Publikum erobern. Neue Altersklassen, breite Schichten. Der Aufwand ist riesig, die Bundeskulturstiftung und eine Frankfurter Bank haben dazu tief in die Tasche gegriffen, das ganze Haus ist erfüllt von einem Gedanken: Weg vom eurozentristischen Blick. Weg vom einzig gültigen Maßstab, der traditionell den Markt reguliert und Sammlungen dominiert, aber auch von westlichen Kunstgeschichtlern so aufgeschrieben und bewertet wurde. Wer sagt denn eigentlich, dass die Klassische Moderne die einzig wahre und wertvolle Kunst jener Jahrzehnte war? Zu wenig wurde auf die anderen Teile der Welt geschaut. Zuviel Arroganz in unserem Blick.

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