Popkultur-Phänomen Frida Kahlo

Frida für immer

Obere Reihe von links: Figur aus einer Ausstellung in Italien, Skelett aus dem Kahlo-Museum in Mexiko; Kahlo als Barbie-Puppe und ein Model mit Kahlo-Anmutung. Untere Reihe von links: Kahlo-Kaffeekanne, Selma Hayek im Film „Frida“, 500-Pesos-Schein und eine Smartphone-Hülle mit Kahlos Augenbrauen. Über allem: die echte Frida Kahlo 1932. FOTO: AKG, dpa(7), Imago

Die mexikanische Malerin Frida Kahlo ist ein Star des Kunstbetriebs. Außerdem ist sie Comic-Heldin, Barbie-Puppe, und im Internet folgen ihr Hunderttausende. Dabei ist Kahlo schon seit 65 Jahren tot.

Sie hat ja nicht einmal runden Geburtstag, wie den 100., 150. oder einen Jubiläums-Todestag. Sie ist 1907 in Mexiko geboren und 1954 in Mexiko gestorben. Sie wäre dieses Jahr also 112 geworden, und seit 65 Jahren ist sie tot. Es gibt keinen Anlass, zu dem sich der Staatspräsident und ein Oberbürgermeister auf die Bühne stellen und das große Kahlo-Jahr ausrufen könnten. Es gibt keine großen Ausstellungen – außer einer in Brooklyn –, es gab keine zuletzt – außer der aus Brooklyn, die zuvor in London zu sehen war. Trotzdem ist Frida Kahlo präsent wie nie. Eine tote mexikanische Malerin aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts hält Einzug in die Populärkultur, und alle Welt kann dabei zusehen oder sich beim Klamottenladen „Urban Outfitters“ ein Notizheft mit Frida-Kahlo-Selfie kaufen. Wie hat sie das bloß hinbekommen?

Man kann sich Frida Kahlo auf unterschiedlichen Wegen nähern, ohne zum Kahlo-Museum nach Mexiko-Stadt reisen zu müssen. Es gibt zahlreiche Publikationen, Handy-Hüllen, Schmuckkissen, und dann war da noch die Sache mit der Barbie-Puppe im vergangenen Jahr. Da hielt es der Spielzeug-Hersteller Mattel für eine gute Idee, seine „Shero“-Reihe zum Weltfrauentag um eine Figur zu erweitern und schlitterte geradewegs in einen Gerichtsprozess. „Shero“ ist ein Kofferwort, zusammengesetzt aus „She“ und Hero“, und neben einer Heldin mit Barbie-Anmutung, die aussieht wie die Snowboard-Olympiasiegerin Chloe Kim, gibt es nun auch eine, die an Frida Kahlo erinnern soll – nur mit schmaleren Gesichtszügen und gezupften Augenbrauen.

Einen Riesenärger gab das: Kahlos Verwandlung zur Barbie, seit Jahrzehnten das Symbol für ein auf Äußerlichkeiten reduziertes Frauenbild. „Frida Kahlo hat nie versucht, wie jemand anderes auszusehen oder zu sein. Sie hat immer ihre Einzigartigkeit gefeiert“, kritisierte Schauspielerin Selma Hayek, die Kahlo im Spielfilm „Frida“ verkörpert hatte und dafür 2003 eine Oscar-Nominierung erhielt. Kahlos Großnichte erwirkte schließlich ein Verkaufsverbot in Mexiko. In Deutschland gibt es das Püppchen noch immer.

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