Neue Ausstellung in Schüttes Skulpturenhalle

Der Bildhauer als Baumeister

Modell „Puppenhaus“ von Thomas Schütte, gebaut aus Fundstücken. Foto: Luise Heuter, VG Bild-Kunst, Bonn 2019 FOTO: Luise Heuter, © VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Einmal im Jahr nutzt der Bildhauer Thomas Schütte die Skulpturenhalle seiner Stiftung auf der Raketenstation Neuss für eigene Ausstellungen. Jetzt zeigt er dort Modelle von Gebäuden, die von ihm geplant wurden.

Ein durchgestaltetes Konzept brauchte er nicht. Bildhauer Thomas Schütte weiß, was er macht und gemacht hat, kennt den Ausstellungsort wie seine Westentasche und kann sich in dessen Ausgestaltung auf seine Mitarbeiter verlassen. Einmal im Jahr wird die Skulpturenhalle seiner Stiftung auf der Raketenstation in Neuss allein mit Arbeiten aus seinem Atelier bestückt, aktuell zeigt er dort Modelle von Bauten, die in drei Kategorien einzuteilen sind: erstens die realisierten, zweitens die ausschließlich in der Fantasie existierenden und drittens die, die immerhin realisiert werden könnten. „Die meisten Modelle sind aus meinem Besitz“, sagt der Künstler, „aber einige habe ich auch zurückgeholt.“ Das Modell von dem Pavillon zum Beispiel, der in Krefeld zum 100-Jährigen des Bauhauses eröffnet wird.

Im Gegensatz zu Architektur-Modellen, die in der Regel im Maßstab 1:50 gemacht werden, wie Schütte sagt, fertigt er seine Modelle immer im Maßstab 1:20, der dem von Bühnenbildnern entspreche. „Sie werden auch als ‚gebaute Bilder’ bezeichnet“, erklärt der Künstler, der sich bei der szenischer Ausgestaltung allerdings in den meisten Fällen zurückgehalten hat.

Vor allem die Modelle der realisierten Bauten wirken schlicht und nüchtern. Natürlich gehört auch die von Schütte entworfene Skulpturenhalle dazu, überraschend ist hingegen, was er ihr an die Seite gestellt hat. Neben die Ausstellungshalle auf der Raketenstation will er eine zweite Halle bauen, in der Formensprache ähnlich, aber als unterirdisches Lager (500 Quadratmeter) und Archiv- und Bürogebäude (250 Quadratmeter) gedacht. Der Clou ist eine große Wohnung mit einem riesigen Balkon, der sich wie ein Schiffsbug in die Landschaft wölben wird: „Ich hoffe, als Mieter dafür eine Art Hausmeister zu finden“, sagt er und hofft auf Umsetzung in 2020.

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