Baumwollspinnerei St. Ingbert

Neuer Zündstoff für Baumwollspinnerei

Ein Blick ins Innere der denkmalgeschützten St. Ingberter Baumwollspinnerei, aufgenommen im März 2018. FOTO: Tobias Fuchs

St. Ingbert. Der Landesrechnungshof übt in einer internen „Prüfmitteilung“ massive Kritik an finanziellen Schieflagen der St. Ingberter Baumwollspinnerei. Seit Jahren harrt die geplante Kulturfabrik ihrer Fertigstellung. Bedeutet der Prüfbericht eine neue Zuspitzung in dem Endlosprojekt? Eine Spurensuche unter den Beteiligten.

Als 2011 beschlossen worden war, die St. Ingberter Baumwollspinnerei zur Kulturfabrik umzubauen, in der unter anderem das städtische Albert-Weisgeber-Museum eine neue Bleibe finden sollte, hatte es kühnerweise anfangs noch geheißen, Ende 2013 könne der Umbau womöglich schon beendet sein. Sieben Jahre später bleibt das Projekt weiterhin eine Hängepartie mit ungewissem Ausgang. Nun übt der Landesrechnungshof heftige Kritik an dem lange mit viel Vorschusslorbeeren bedachten, heute mit rund 17,6 Millionen Euro taxierten Renommierprojekt.

Wie der SR gestern meldete, kommt der Landesrechnungshof in einer internen Prüfungsmitteilung an das saarländische Innenministerium zu dem Schluss, dass sich das Land und die Stadt St. Ingbert demnach „jahrelang“ hätten „über den Tisch ziehen lassen“ (O-Ton SR). Zuschüsse seien ausgezahlt worden, ohne dass der private Investor, der Saarbrücker Galerist Werner Deller, laut SR etwa „zunächst konkrete Rechnungen vorgelegt habe“. Klaus Schmitt, Präsident des Rechnungshofs, mochte gestern auf SZ-Anfrage den Prüfbericht seines Hauses (und die daraus durchgesickerten Details) mit Blick auf das laufende Verfahren nicht kommentieren.

Allerdings ließ Schmitt durchblicken, dass seine Behörde die Ergebnisse der Causa Baumwollspinnerei möglicherweise in einen Sonderbericht münden lassen werde –  also nicht alleine unter ferner liefen in den anstehenden „Jahresbericht“. Das könnte ein Indiz dafür sein, dass der Landesrechnungshof in den Befunden seiner „ausgerückten Prüfer“ (Schmitt) doch einige Brisanz zu erkennen glaubt. Schmitt kündigte im SZ-Gespräch gestern lediglich an, dass ein Abschlussbericht, in den Stellungnahmen des Innenministeriums sowie der Stadt St. Ingbert einfließen, in etwa sechs Wochen vorliege. Bemerkenswert daran ist, dass niemand aus Schmitts Behörde je mit Investor Deller geredet hat, wie Letzterer auf SZ-Nachfrage gestern mitteilte.

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