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Cannes

Lars von Trier irritiert in Cannes

Cannes. Der Regisseur zeigte seinen verstörenden neuen Film außer Konkurrenz.

Kaum ein Regisseur polarisiert so sehr wie der dänische Filmemacher, der 2011 vom Festival wegen Nazi-Äußerungen zur persona non grata erklärt wurde. Außer Konkurrenz durfte sein neuer Film "The House That Jack Built" nun doch im Programm laufen. Mit der extrem brutalen schwarzen Komödie gelingt ihm eine außerordentliche Reflexion über das Verhältnis von Kunst und Gewalt.

Bei der Premiere im Grand Théâtre Lumière gab es neben Standing Ovations auch viele Zuschauer, die den Saal noch während der Vorstellung empört verließen. Doch die Vorwürfe der Obszönität verkennen die künstlerische Leistung Lars von Triers, der in seinem Film darüber nachdenkt, was Grenzüberschreitung bedeutet und welche Formen sie annehmen kann. Auf der einen Seite steht die transgressive Kraft der Kunst, die den Betrachter berührt, erschüttert und verändert. Und dann gibt es bei ihm die reine Gewalt, die als Zerstörung des Lebens und der Gemeinschaft zu verstehen ist. In der Hauptfigur Jack, gespielt von Matt Dillon, fällt beides zusammen.

Jack ist Serienmörder. Seine Taten dokumentiert er zunächst fotografisch, bald aber beginnt er sie immer mehr zu Kunstwerken zu stilisieren. Er drapiert die toten Körper, präpariert und inszeniert sie. Funktionierte die Fotokamera noch als Mittel der Distanzierung vor dem Gräuel der eigenen Verbrechen, geht ihm diese Distanz verloren, als er beginnt, die Gewalt selbst zu einem Kunstwerk machen zu wollen.

Sein Wunsch, Architekt zu werden, wurde von seiner Mutter vereitelt, und nun baut Jack nahezu den ganzen Film über an einem Haus, das man als Sehnsucht nach einem eigenen Ort, nach einem Ich lesen könnte. Als ihm der Entwurf schließlich gelingt, begibt sich Jack auf eine Reise in die Unterwelt. An diese ist, wie schon in "Nymphomaniac", der dialogische Aufbau des Films angelehnt.

(RP)
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