Sie verdient Millionen und gibt selten Interviews

Das Phänomen Helene Fischer

Die populärste deutsche Sängerin ist allgegenwärtig und dennoch ein Rätsel. Deutschlands erfolgreichster Popstar Helene Fischer ist ein Phantom.

Was weiß man eigentlich über Helene Fischer? Dass sie sich gerade getrennt hat, okay. Aber sonst? Wie lebt sie? Was treibt sie um? Sie gibt keine Interviews, die letzten liegen einige Jahre zurück und wurden vor Veröffentlichung des Albums „Farbenspiel“ geführt. Trotzdem fasziniert diese Künstlerin, und vielleicht liegt es ja gerade daran, dass die Persönlichkeit hinter der Bühnen-Existenz verschwindet. Fischer ist auf eine Weise charmant, die so unverbindlich ist, dass es nicht gefährlich wird. Ihre Freundlichkeit ist undurchdringlich, man blickt nicht dahinter.

Jeder Entertainer inszeniert sich in seinen Liedern, und die Erzählerstimme in den Songs von Helene Fischer ist eine Frau irgendwo zwischen Hermann Hesse und Jennifer Aniston. Sie träumt von der Liebe und sehnt sich danach, von einem Kerl in zerrissenen Jeans in eine Badewanne voller Spumante geschubst zu werden. Fischer holt ihre Zuhörer da ab, wo die ihren Paris-Reiseführer aufgeschlagen liegen ließen. Durchbrennen, durchtanzen, Spiel mit dem Feuer, flackernde Augen und heiße Nächte, das sind so ihre Themen. Diese Lieder sind ein Selbsthilfeprogramm für Herzen in Aufruhr. Wobei Fischer den Motivkomplex Ekstase und Eskapismus recht arbeitgeberfreundlich gestaltet. Zwischen den Zeilen versichert sie stets: Morgen geh’ ich wieder ins Büro.

Fast jeder Musiker, mit dem man über Helene Fischer spricht, bekundet zumeist seinen Respekt vor ihrem Talent. Fast alle fragen sich allerdings auch, warum es so wenige Autoren gibt, die diesen Superstar mit hochwertigen Liedern beliefern. Wie viele Titel kennt man von ihr, die nach „Atemlos“ erschienen sind? It’s the singer, not the song.

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