Kabarett mit dem Mann aus „Extra 3“

Christian Ehring und der Tofu aus dem Wald

Christian Ehring am Sonntag in der Merziger Stadthalle. FOTO: Sebastian Dingler

Merzig.

Kabarettist Christian Ehring gilt als Auslöser der „Böhmermann-Erdogan-Affäre“. In der von ihm moderierten Sendung „Extra 3“ lief vor drei Jahren der relativ harmlose Song „Erdowie, Erdowo, Erdowahn“. Der türkische Präsident bestellte daraufhin  den deutschen Botschafter ein – was offenbar Jan Böhmermann zu seinem „Schmähgedicht“ inspirierte. Die Folgen sind bekannt.

Davon war am Sonntag in der Merziger Stadthalle aber keine Rede. Stimmlich von einer Erkältung angeschlagen, setzte sich Ehring mehrmals an den Flügel und sang, so gut es ging, ein paar Lieder, die zu diesem roten Faden passten: Vater Ehring will seinem anscheinend äußerst passiven 18-jährigen Sohn die Erfahrung eines freiwilligen sozialen Jahrs in einem Slum aufzwingen: „Du musst dich jetzt drum kümmern – am Ende sind die guten Slums schon weg!“. Außerdem sperrt er sich gegen die Idee, die nun frei werdende Einliegerwohnung einem Flüchtling zu überlassen. Als er dann einen ihm genehmen Eritreer bei einem Treff der evangelischen Kirche kennenlernt, ist Vater Ehring doch begeistert – bis der Flüchtling es wagt, das Ganze abzusagen. „Da bin ich sauer geworden und ausgerastet und seitdem heiser.“

Nur am Rande beschäftigte sich der Kabarettist mit seinen natürlichen Feinden AfD, Pegida und Trump. Ehring, der sich mehrmals dazu bekannte, die Grünen zu wählen („so wie Sie!“), arbeitete sich im Grunde an seiner eigenen Kohorte ab, dem gut situierten linken Bildungsbürgertum. Jene, die in den Speckgürteln der Städte leben, inmitten einer Nachbarschaft aus Professoren und Wirtschaftsprüfern, und glauben, diese stelle „einen Querschnitt durch die Gesellschaft“ dar. Oder die, wie Ehring in seiner Rolle als Familienvater, es für eine „tolle Idee“ halten, einen Flüchtling aufzunehmen, aber dann relativieren: „Es gibt Ideen, die sind als Ideen stark.“ Oder die es toll finden, wenn jemand soziale Arbeit in einem Slum der Dritten Welt verrichtet – solange man nicht selbst derjenige ist. Eine Marktlücke in der Musikbranche glaubte Ehring auch entdeckt zu haben: vegane Kinderlieder. „Schrot, du hast das Korn gestohlen“ sei so eines, oder: „Tofu, Tofu, ruft’s aus dem Wald“. Er selbst sei natürlich Veganer – also, Fleisch esse er schon, aber es käme ja auf die Überzeugung an. All das sorgte für viel Heiterkeit bei den 280 Zuschauern, die sich das ein oder andere Mal ertappt gefühlt haben dürften.

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