Theater

Der Zauber von Rebellion und Regelbruch

Barbara Krzoska als „kleine Hexe“ muss sich vor dem Hexenrat für ihren Ungehorsam rechtfertigen. FOTO: Martin Kaufhold

Saarbrücken. Das Saarländische Staatstheater zeigt in diesem Jahr „Die kleine Hexe“ nach Otfried Preußler als Weihnachtsstück.

Otfried Preußler liebte selbstbewusste junge Persönlichkeiten mit starkem Willen und einem untrüglichen Gespür für Gut und Böse. „Die kleine Hexe“ schrieb er 1957. Seine Figur könnte gut und gerne mit Astrid Lindgrens Pipi Langstrumpf verwandt sein (veröffentlicht 1945). Nicht ganz so frech und witzig ist Preußlers Zaubermädchen, aber genauso unabhängig und lebenslustig. Zurzeit lehrt die kleine Hexe, charmant und frisch gespielt von Barbara Krzoska, mit ihren nur 127 Jahren auf dem Buckel die alte Hexengeneration das Fürchten im Saarländischen Staatstheater. Dort hatte das diesjährige Weihnachtsstück am Sonntag Premiere.

In der Bearbeitung von John von Düffel wird das Märchen zu einem Stück, bei dem nicht nur Gut gegen Böse siegt. Thematisiert wird auch ein Generationenkonflikt, althergebrachte Regeln werden in Frage gestellt. Die aktuellen Bezüge stehen dem Stück gut, sind aber dezent genug, um nicht zu dominieren oder gar penetrant zu belehren. Die Figur der kleinen Hexe ist angelegt als Rebellin. Sie schleicht sich verbotenerweise zur Walpurgisnacht auf das große Hexenfest auf dem Blocksberg und stellt damit die Autorität der Alten in Frage. Barbara Krzoska spielt sie als flippige Mischung aus Hippie-Girl und Techno-Raver. Sie will eben auch zur „fettesten Party des Jahres“, wo sich das Hexen-Establishment alljährlich trifft, um abzutanzen. Es ist ein Affront, die Jugend begehrt auf gegen das Alter.

Die kleine dreiste Hexe wird erwischt, bestraft und soll sich ein Jahr später bewähren, indem sie das komplette Zauberbuch mit all seinen fiesen Tricks beherrscht. Dass sich aus dem trotzigen jungen Ding eine verantwortungsbewusste Hexenmeisterin entwickelt,  ist ihrem Raben Abraxas – im Staatstheater eine bezaubernde Handpuppe, gespielt von Arne van Dorsten – geschuldet, der das naive Mädchen ermahnt, ihre Hexenkünste zum Wohle der Menschen einzusetzen. „Gute Hexen dürfen nichts Böses tun“, warnt Abraxas als personifiziertes Gewissen der kleinen Hexe. Und so ist dies auch eine „Coming of Age“-Geschichte, mit der sich auch ältere Kinder identifizieren können.

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