Operetten-Premiere am Staatstheater

Eitel Walzerseligkeit und Champagnerlaune

Blick ins in schummriges Rot getauchte „Orpheum“, wo die Chansonette Sylva Varescu (Valda Wilson, Bildmitte) umjubelt wird. FOTO: Martin Kaufhold/SST / martinkaufhold.de ;Martin Kaufhold

Saarbrücken. Erik Petersens Version der Operette „Die Csárdásfürstin“ kommt am Saarländischen Staatstheater vor allem im zweiten Akt mächtig in Fahrt.

„Habt Ihr gesehen? Mindestens 100 Autos vor der Tür. Man kommt kaum durch.“ Diese Zustandsbeschreibung wurde am Samstag vom Publikum heftig belacht. Denn sie kommt tatsächlich in Emmerich Kálmáns Operette „Die Csárdásfürstin“ vor, schilderte aber perfekt die reale Situation rund ums Saarländische Staatstheater (SST), wo sich vor Beginn der Vorstellung Schlangen vorm Parkhaus bildeten. Schuld an dem Verkehrschaos war aber nicht das Operettenfieber, sondern der angrenzende Alt-Saarbrücker Weihnachtsmarkt – dass im SST ausgerechnet bei dieser Premiere die Reihen etwas licht blieben, mag durchaus daran gelegen haben, dass nicht jeder Operettenfreund einen Parkplatz fand.

Denn eigentlich müsste diese Produktion überrannt werden: alles eitel Walzerseligkeit und Champagnerlaune, jedes Lied ein Gassenhauer. Dazu die lässige Nonchalance der K&K-Monarchie kurz vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs, die sich hier in der verruchten Noblesse eines Budapester Revuetheaters, in der herablassenden Légèreté eines Wiener Adelshauses und in der Lobby eines vornehmen Grandhotels etabliert – das alles macht die 1915 uraufgeführte „Csárdásfürstin“ (Libretto: Leo Stein, Béla Jenbach) zur perfekten Weltflucht aus dem grauen Alltag. Zumal Erik Petersens Inszenierung den Zauber des historischen Kolorits wahrt. Kaufen wir uns also die Welt, denn wer weiß schon, wie lange der Globus sich noch dreht!

Entsprechend verheißungsvoll geht’s los: Der Vorhang gibt den Blick frei auf die Showtreppe des in schummriges Rot getauchten „Orpheums“, wo die Chansonette Sylva Varescu (Valda Wilson) umjubelt wird. Danach wird einem schier schwindlig, was aber nicht an zu viel Crémant liegt, sondern an der Drehbühne, deren innerer und äußerer Teil umeinander kreisen: Die Showtreppe bildet im Hintergrund den halbrunden Rahmen, in der Mitte wirbelt das Ensemble – darunter „Die Mädis vom Chantant“, denn ganz ohne Weiber geht die Chose bekanntlich nicht; dazu männliche Nachtschwärmer, Tänzer und Akrobaten (Choreographie: Sabine Arthold). Noch eine Drehung weiter, und wir blicken hinter den Kulissen in die Künstlergarderoben des Orpheums, die in die Rückseite der Treppe integriert sind – Bühnenbildner Christof Cremer ist ein ebenso funktionaler wie wirkungsvoller Schauplatz gelungen. Auch die von ihm entworfenen Kostüme fügen sich prächtig ins zeitgeschichtlich luxuriöse Ambiente ein.

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