Saarländisches Staatstheater

Götzendienst und Vatermord

Opferaltar oder Krematorium? Maximilian von Mayenburgs Regie bleibt in der neuen Saarbrücker „Nabucco“-Produktion am Staatstheater oft bewusst mehrdeutig, lässt gedankliche Spielräume. FOTO: Staatstheater / martinkaufhold.de

Saarbrücken. „Nabucco“ als Politthriller: Das überrascht bei Verdis Freiheits-Oper kaum. Regisseur Von Mayenburg findet aber in Saarbrücken einen sehr eigenen Blick darauf.

Ganz zu Ende – der Applaus kennt schon kein Halten mehr – entwindet einem die Drehbühne fast noch eine Schlüsselszene dieser Saarbrücker Inszenierung. Babylons abgefeimter Oberpriester (Markus Jaursch) greift nach Abdallo (Won Choi), dem braven Diener des nun geläuterten Nabucco, und schiebt den Getreuen in den Flammenschlund des riesigen Opferaltars. Der wohl auch Krematorium ist.

Die Hoffnung, die einem Verdis Oper sonst spendet: Dass von Macht Verblendete einsichtig werden können, Ohnmächtige erlöst werden, Regisseur Maximilian von Mayenburg raubt uns diesen Trost, knallt uns lieber reale Härte vor den Kopf. Es gibt eben keine Happy Endings; es geht immer wieder von vorne los. Die Menschheit wird wohl ewig Machtgier, Ausbeutung, religiös verbrämten Hass, Mord und Kriege mit sich rumschleppen.

In Von Mayenburgs Regie (und wohl auch dank Dramaturgin Frederike Krüger) ploppen da am Staatstheater doch einige überraschende Momente bei Verdis Allzeit-Hit auf, der doch so oft schon durchdekliniert wurde. Der junge Münchner Regisseur aber packt den Vier-Akter, dem die Italiener als Nationaloper huldigen, gleichwohl es um den Krieg zwischen Babyloniern und Hebräern geht, mal drastisch politisch, mal historisch andeutend an. Gelegentlich könnte die Chose aber auch ins Fantastische entgleiten. Was klar an dieser merkwürdigen Alteisen-Szenerie liegt. Rostige Wandungen, infernalisch leuchtende Bullaugen, zitternde Manometer und ein rauchender Riesenschlot im fahlen Endzeitlicht: Bühnenbildnerin Tanja Hoffmann stiefelte wohl einmal quer durch die Kinohistorie von „Metropolis“ und „Käptn Nemo“ bis zu „Mad Max“, um diese spektakuläre Apokulisse zusammen zu nieten. Die Babylonier zelebrieren darin ihren Tanz auf dem Vulkan und machen auf Roaring Twenties mit Zigarettenspitze und Charleston-Häubchen. Huch, wie verrucht! Während die Hebräer in grauer Anstaltskluft auf den eisernen Turm von Babel zumarschieren müssen, dessen Höllenpforte Bücher und Menschen verschlingt.

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