Neu im Kino: „Der Hauptmann“

„Ich wollte einen Anti-,Untergang’ drehen“

Der selbsternannte Hauptmann (Max Hubacher) und zwei versprengte Soldaten, die sich ihm anschließen und sehr unterschiedlich auf seine Schreckensherrschaft reagieren (Milan Peschel, links, und Frederick Lau). FOTO: Julia M. Müller / Weltkino / Julia M. Müller

Saarbrücken. Bei seiner deutschen Premiere in Saarbrücken beim Ophüls-Festival war „Der Hauptmann“ nicht für jeden leicht zu ertragen. Oft drastisch erzählt der meisterliche Film von Grausamkeit und Entmenschlichung. Jetzt läuft er bundesweit an – ein Gespräch mit Regisseur Robert Schwentke. 

Wer hätte solch einen Film von Robert Schwentke erwartet? Drehte der Stuttgarter in den vergangenen 14 Jahren doch in Amerika – sein deutscher Thriller „Taboo“ von 2002 hatte Hollywoods Interesse geweckt, und so inszenierte er dort 2005 mit Jodie Foster „Flight Plan“, 2010 mit Bruce Willis und Helen Mirren den Actionfilm „R.E.D.“ und zuletzt zwei Filme aus der „Divergent“-Reihe. Allesamt große Produktionen, bunt, für das große Publikum.


Und jetzt eben „Der Hauptmann“, eine nachtschwarze Geschichte um einen jungen Gefreiten in den letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs. Der findet eine Hauptmannsuniform, gibt sich fortan als Offizier aus und sammelt versprengte Soldaten unfreiwillig um sich. Aus Angst, enttarnt zu werden, tut er sich als besonders herrisch und grausam hervor – doch er findet auch Gefallen an der Macht, über Leben und Tod zu entscheiden, und beginnt eine Schreckensherrschaft in einem Gefangenenlager.

Drastisch ist der Film in seiner Gewaltdarstellung und radikal darin, dass er aus der Perspektive eines deutschen Täters erzählt. Eine Kontroverse deswegen fürchtet Schwentke nicht, „man muss sich schon sehr bemühen, um den Film falsch zu verstehen“. Er liefere aber „bewusst keine moralische Gebrauchsanleitung“, der Zuschauer müsse ohne diese „nachdenken über die eigene Haltung und über die menschliche Fähigkeit, einander weh zu tun“.

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