Theater Überzwerg

Kraxeln auf dem „Berg der Bedeutung“

Darüber diskutieren, was zählt und was nicht. Eine Szene aus „Nichts. Was im Leben wichtig ist“. FOTO: Kerstin Krämer

Saarbrücken. Eine sehr gelungene Premiere im Theater Überzwerg in Saarbrücken: „Nichts. Was im Leben wichtig ist“ mit 15 jungen Darstellern des „Jugendclub 3“.

Zum Schluss ist alle Bedeutung dahin. So klein geraspelt wie die Sägespäne auf der Bühne, auf der sich in den letzten 60 Minuten die Handlung abgespielt hat. Am Mittwochabend hat das Theater Überzwerg die letzte Premiere der aktuellen Spielzeit gefeiert: Der „Jugendclub 3“ brachte unter der Leitung  von Reinhold Rolser und Jessica Schultheis den kontrovers diskutierten Text „Nichts. Was im Leben wichtig ist“ der Autorin Janne Teller auf die Bühne.

Pierre Anthon schmeißt die Schule und verkündet, dass das Leben ein „Nichts“ ist, dass nichts Bedeutung hat. Provoziert setzt die Klasse alles daran, ihrem nihilistischen Ex-Mitschüler das Gegenteil zu beweisen. Sie beginnen, persönlich bedeutende Gegenstände in einem stillgelegten Sägewerk zusammenzutragen, einen „Berg der Bedeutung“ aufzuschichten.

Ein verbissenes, immer brutaler werdendes Sich-gegenseitig-Überbieten beginnt. Zuerst sind es bedeutungsarme, ersetzbare Dinge, die angeschleppt werden: ein alter Kamm, Boxhandschuhe. Immer schön reihum. Doch mit der Zeit werden die Forderungen ernster, ja, entbehrungsreicher. Bald fallen abgeschnittene Zöpfe, ein Christuskreuz wird aus einer Kirche gestohlen. In einer der stärksten Szenen des Stücks wird bei Minimalbeleuchtung ein Kindersarg auf dem Friedhof ausgegraben. Als Sophie ihre Unschuld genommen und dem Gitarristen Jan-Johann der Daumen amputiert wird, gerät die Bedeutungssammlung immer schockierender – und die Fragen werden aufgeworfen, wo Fanatismus beginnt, was Menschen dazu bringt, moralische Standards zu verletzen.

top