Scooter in Völklingen

„Deb, deb, deb . . .“: Scooter mal klassisch

Achtung Klassik! H.P. Baxxter, Frontmann von Scooter, mit Star-Pianistin Olga Scheps, die Scooter-Titel klassisch interpretiert. Am Freitag spielen Scooter, dann aber 100 Prozent Techno, in Völklingen.  FOTO: dpa / Daniel Reinhardt

Völklingen. Am Freitag heizen Scooter in Völklingen ein. Dass die Techno-Veteranen auch was für Klassikfreunde sein können, wissen wir erst dank Top-Pianistin Olga Scheps.

Man kann sich bei diesen Videobildern der Rührung kaum erwehren: H. P. Baxxter hat sich fein gemacht. Dunkelgrünes Samtsakko, schwarzes Hemd, so hockt er brav wie ein Klavierschüler am Flügelende von Olga Scheps und lauscht. „So schön“, haucht er ehrfürchtig, als der letzte Ton zart verfliegt. Sonst ist derartige Leisetreterei nicht sein Ding. Da packt der notorisch wasserstoffblondierte Frontmann von Scooter, die am Freitag, vor dem „Electro Magnetic“-Festival, schon mal die Völklinger Hütte anheizen, grundsätzlich noch Dezibel im Dutzend drauf. Shoutet „Hyper, Hyper“ ins tobende Dancefloor-Volk. Dazu macht’s bum, bum, bum, bum. Hauptsache laut.


Scooter war lange in etwa so beliebt wie die Scorpions oder Pur. Mega-erfolgreich, die nordeutsche Band zählt zu den absoluten Top-Sellern; man schätzt sie auf 30 Millionen verkaufte Tonträger. Feuilletonisten aber packten sie gar nicht an. Mit Scooter aber ist es wie mit allen, die lange genug durchhalten. Erst werden sie Kult und dann sogar zum Klassiker. Dieser Punkt war für Friesenjung Baxxter, als Hans Peter Geerdes 1964 in Leer geboren, und seine über die Jahre wechselnden Mitmannen vor ein paar Monaten erreicht, als Olga Scheps, eine Pianistin von Weltrang, zum Silberjubiläum der Band allen Ernstes elf Scooter-Songs einspielte – solo am edelholzfurnierten Steinway.

Schweißdampfende Dancefloor-Mucke schnurrt so zum intimen Klavierabend zusammen. Sven Helbig, Mitbegründer der Dresdner Sinfoniker, hat die Titel arrangiert. Und „100 Prozent Scooter – piano only“ ist ein Album, bei dem man erstmal seine Ohren nicht traut. Die Hits der Techno-Veteranen zeichnen sich, wohlwollend formuliert, durch Eingängigkeit aus, alles sofort mitsingbar. Ihr Wesenskern sind Beats und Mitgrölrefrains. Doch Helbig hat daraus mit dem feinen Handwerkszeug des Arrangeurs noble Kammermusik ziseliert. Die schlichten Tonfolgen bricht er auf, spielt mit ihnen.

top