„The Bouncer“ mit Van Damme

Das Leben ist eine Haustelle

Harte Zeiten: Jean-Claude Van Damme als Gelegenheitstürsteher im Film „The Bouncer“.          Fotos: Labyrinthe Film / Constantin  FOTO: Labyrinthe Films

Saarbrücken. Altern ist nicht leicht, schon gar nicht für Action-Helden von einst. Jean-Claude Van Damme macht im Film „The Bouncer“ das Beste draus.

Was würde man für einen Arbeitsplatz alles tun? Eine Szene im Film „The Bouncer“ denkt die Frage konsequent zu Ende: Wir folgen einem Mann, der sich um einen Job als Türsteher bewirbt, in die labyrinthischen Kellergänge eines Nachtclubs. Zwischen Müll und Bierkästen wartet schon ein halbes Dutzend Mitbewerber. „Wer am Ende noch steht, der bekommt den Job“, sagt der Clubbetreiber. Die Bewerber zögern keine Sekunde, es beginnt ein stoisches Aufeinanderdreschen, Würgen, Treten.

Es ist die buchstäblich merkwürdigste Szene im finsteren Film „The Bouncer“, einer Produktion aus Frankreich und Belgien, die bei uns auf DVD erscheint. Dass der Film sehenswert ist, liegt nun wirklich nicht am Plot: Ein schweigsamer Witwer  verdingt sich als Türsteher in der Halbwelt und wird von der Polizei gezwungen, als Informant zu arbeiten. Sollte er keine Informationen über einen Clubbesitzer/Geldfälscher heranschaffen, verliert er das Sorgerecht für seine Tochter. Der Mann (namens Lukas) steigt langsam in der Gangsterhierarchie auf, immer in Angst, enttarnt zu werden. (Da muss man beim Lesen fast gähnen).

Aber: Die Umsetzung reißt es heraus und macht aus diesem Low-Budget-Film eine kleine Perle des modernen Film Noir. Hauptdarsteller ist Jean-Claude Van Damme, der gefallene Action-Star der 80er/90er Jahre und der bunteste Vogel unter den Muskel-Heroen seiner Zeit. Er brachte einst die ersten Hongkong-Regisseure wie John Woo und Ringo Lam nach Hollywood, torpedierte seine Karriere dann durch kokainbefeuerte  Größenwahnallüren und wurde vor allem in Frankreich und der belgischen Heimat zum gern gesehenen Gast in Talkshows – versuchte er doch mit großen Gesten und schwer nachvollziehbarem Amerikanisch-Französisch die Welt an sich zu erklären. Mit einem derartigen Sinn fürs Absurde, dass in Frankreich gar ein Buch namens „Parlez-vous le Jean-Claude“ seine größten Weisheiten sammelte. Etwa: „Luft ist gut für uns alle. Ohne Luft würden die Flugzeuge vom Himmel fallen.“ Mon dieu!

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