Saarbrücker Kinder- und Jugendbuchmesse

Erst der Enthusiasmus, dann die Präsenz

Igor Holland-Moritz (42), neuer Leiter von Saarbrückens  Europäischer Kinder- und Jugendbuchmesse (KiBu), gestern Mittag beim Blick aus dem Fenster seines neuen Saarbrücker Arbeitsplatzes in der Heuduckstraße. FOTO: Oliver Dietze

Saarbrücken. Eine Begegnung mit Igor Holland-Moritz, dem neuen Leiter der Saarbrücker Kinder- und Jugendbuchmesse.

Was verschlägt einen Dramaturgen aus der im tiefsten Brandenburg gelegenen 25 000 Einwohner-Stadt Senftenberg ausgerechnet ans andere Ende der Republik, nach Saarbrücken? Er wird dort künftig die Kinder- und Jugendbuchmesse (KiBu) leiten. Was prädestiniert gerade einen Theatermann dazu? Nicht zuletzt, dass Astrid Rech – die bisherige, aufgrund einer schweren Erkrankung ausscheidende Leiterin – sich Igor Holland-Moritz als Nachfolger gewünscht hat. Als sie den 42-Jährigen vor Jahresfrist in Senftenberg anrief und ihm ihren Job anbot, befand sich Holland-Moritz gerade in einer beruflichen Neuorientierung. An der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität hatte der ausgebildete Germanist soeben ein einjähriges Aufbaustudium in Sachen Kulturmanagement absolviert. Acht Jahre Theater seien erst mal genug gewesen, sagt Holland-Moritz und beginnt vom Fleck weg von Saarbrücken zu schwärmen.

Weder Höflichkeit noch Berechnung führen ihm das Wort. Holland-Moritz, das darf man ihm abnehmen, ist tatsächlich regelrecht enthusiasmiert von seiner neuen Bleibe. Nicht nur, weil Saarbrücken verglichen mit Senftenberg, wo es außer dem Theater keinerlei kulturelle Infrastruktur – nicht mal mehr ein Kino – gegeben habe, eine Metropole „mit wirklich wahnsinnig netten Leuten“ sei, sondern weil er sich mit einem Mal mitten in Europa fühle. In Senftenberg hätten sie am Theater auch immer mal Europa hochgehalten, „hier aber spürt man, was das ist.“ Nicht bloß, weil Holland-Moritz gerade im Besprechungszimmer der Stiftung für die deutsch-französische kulturelle Zusammenarbeit sitzt, wo er im Januar, Wand an Wand mit den Festivals Perspectives und Loostik, sein Büro bezogen hat.

Im Osten in eine Theaterfamilie hineingeboren – der Vater Regisseur, die Mutter Choreografin und dazu als Tante die in der DDR bekannte (und gefürchtete) Filmkritikerin Renate Holland-Moritz (1935-2017) – , heuerte er nach der Wende neben dem Studium in Bayreuth am Theater Meiningen an, wo Holland-Moritz sechs Jahr lang im Künstlerischen Betriebsbüro (KBB) assistierte. Um dann seiner Frau, einer damals mit Astrid Rech in deren Zeit als Dramaturgin am Theater Celle befreundeten Schauspielerin, für deren Engagement nach Senftenberg zu folgen. Neun Jahre später hat Holland-Moritz nun den märkischen Sand und das Lausitzer Braunkohlerevier gegen das traditionelle Stahl- und Kohlegebiet an der Saar eingetauscht. Seine Frau, der dreijährige Sohn und er selbst würden jedenfalls gerne hier heimisch werden, beteuert er. Legt Holland-Moritz dann schwärmerisch los, die Vorzüge des saarländischen Lebens zu preisen – „dass man einfach so rüber nach Luxemburg und Frankreich fahren kann“ – fühlt man sich fast ein wenig in die Nachwende-Zeit zurückversetzt, als so mancher Ostdeutsche die große weite Welt des Westens für sich entdeckte.

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