„Salome“ im Saarländischen Staatstheater

Wenn aus Lust Wahnsinn wird

Laszivität im Großformat: Pauliina Linnosaari als Salome tanzt für ihren lüsternen Stiefvater Herodes (Michael Baba). FOTO: Martin Kaufhold

Saarbrücken. Richard Strauss’ Oper „Salome“ wird im Staatstheater in Saarbrücken zu einem eindrücklichen Abbild menschlicher Abgründe. Vor allem Pauliina Linnosaari in der Hauptrolle begeistert.

Salome räkelt sich auf dem Boden, streichelt ihre Brüste und leckt sich lasziv die Lippen. Herodes, im rot-samtenen Hausanzug eine Karikatur des Playboy-Gründers Hugh Hefner, schaut derweil lüstern erregt zu. Beim Tanz der sieben Schleier fällt in der Saarbrücker Inszenierung von Richard Strauss’ Oper „Salome“ zwar kein Stoff, dafür konfrontiert Regisseur Jaokob Peters-Messer das Publikum mit der ganzen sexuellen Plattheit der heutigen Medienwelt.

Die Oper, vor gut hundert Jahren noch wegen „die Sittlichkeit beleidigender Handlungen“ unter Beschuss, ist angesichts der Me-too-Debatte immer noch aktuell. Denn letztlich geht es in dem Stück, das am Samstag Premiere hatte, um Macht, sexualisierte Gewalt und Missbrauch. Und genau darauf reduziert letztlich Regisseur Peters-Messer seine höchst sehenswerte Inszenierung.

Die Handlung lässt sich leicht zusammenfassen: Herodes, liiert mit der Frau seines Bruders, wird für dies „sündige“ Verhalten vom Prophet Jochanaan verflucht, den er in seinem Palast gefangenhält. Herodes ist seiner Frau müde, begehrt stattdessen seine Stieftochter Salome, die Tochter seines Bruders, und will sie verführen („Salome, komm trink Wein mit mir“). Salome verachtet ihren Stiefvater, verguckt sich stattdessen in den Propheten Jochanaan („Ich bin verliebt in Deinen Leib, Jochanaan!“). Der Prophet aber weist Salome ab, was sie in ein noch wahnsinnigeres Begehren treibt („Lass mich Deinen Mund küssen, Jochanaan“). Herodias, Salomes Mutter, wiederum verachtet Herodes und versucht, Salome vor ihm zu schützen („Ich habe Dir gesagt, Du sollst sie nicht anseh’n“). Nach langem Flehen („Tanz für mich, Salome“) willigt Salome endlich ein, für Herodes den Tanz der sieben Schleier zu tanzen. Während der anschließend schon erwartet, sie zu seiner Geliebten zu machen, fordert Salome als Entlohnung für den Tanz den Kopf des Jochanaan („Du hast einen Eid geschworen, Tetrarch!“). Den noch blutenden Kopf kann Salome nun, dem Wahnsinn nahe, doch noch küssen („Ich habe Deinen Mund geküsst, Jochanaan“), wovon Herodes zutiefst abgestoßen ist. Mit seinem voll Abscheu ausgerufenen Befehl „Man töte dieses Weib“ endet das Drama.

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