„Pop-Titan“ wird 65 Jahre alt

Bohlens Revier

Küchentauglich: Dieter Bohlen ist das neue Werbegesicht des Möbeldiscounters Roller. Foto: Geisler FOTO: picture alliance / Geisler-Fotop / gbrci/Geisler-Fotopress

Dieter Bohlen wird am Donnerstag 65, doch an Ruhestand ist beim „Pop-Titan“ und Berufs-Chauvinisten nicht zu denken. Im Fernsehen ist er allgegenwärtig.

Schnuckelhase, du siehst echt süß aus, aber deine Stimme klingt wie Kuhmist. Was hast du gelernt? Ah, Hairstylistin. Was willst du werden? Superstar? Bleib bei den Haaren!

So ungefähr hört es sich an, wenn der „Pop-Titan“ junge Damen in die Wüste oder zurück in den Friseursalon schickt. Seine Urteile in der RTL-Show „Deutschland sucht den Superstar“ lassen es an Eindeutigkeit nicht mangeln, manchmal sind es Sekunden der Grausamkeit, in denen junge Lebensentwürfe versenkt werden. Die Drastik, mit der dieser Mann gegen einen Menschen und seine Stimme votiert, hat oft etwas Erniedrigendes, Verachtendes, aber er selbst würde den Vorwurf, er skalpiere Talente ohne Narkose, weit von sich weisen. Er sagt: Diese jungen Leute hier wollen unbedingt hoch hinaus, da müssen sie auch herbe Kritik aushalten – und manchmal sind sie mit ihrem Wunschdenken tatsächlich nicht klar bei Verstand, dann muss einer das Fallbeil holen. Bohlens Job.

Für die wahren Begabten, die er selbst fast schon anhimmelt („Booah, deine Stimme ist absolut mega!“), ist er hingegen der Promoter, der liebevolle Tipp­geber, der Übervater, an Talente kann er mit unerhörter Hingabe glauben und ihnen die entscheidenden Ratschläge erteilen: Zieh dir mal etwas anderes an, Schnuckelhase, dieses Röckchen ist so was von daneben!

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