Mit dem Kopf vor die Wand

Die Faszination von Online-Mutproben

Sandra Bullock mit Vivien Lyra Blair und Julian Edwards in einer Szene des Netflix-Horrorthrillers „Bird Box“. Foto: Saeed Adyani/Netflix FOTO: Saeed Adyani

Beverly Hills/Berlin. Viele Menschen setzen sich in diesen Tagen Augenbinden auf, irren durch ihre Wohnungen und verbreiten Videos davon in den sozialen Medien. Warum machen die Leute so etwas Blödsinniges?

Inspiriert zu der Mutprobe hat sie der Thriller „Bird Box“ des Streamingdienstes Netflix, in dem Sandra Bullock mit einer Augenbinde um den Kopf vor einer dunklen Macht flieht. Die Videos der Nachahmer sammeln sich auf Instagram, Twitter und Facebook unter dem Hashtag #birdboxchallenge.

In einem der kurzen Clips rennt ein Mann mitsamt zwei Kindern an seinen Händen blind durch ein Zimmer - bis das kleinere Kind gegen die Wand prallt. Andere Videos zeigen Autofahrer hinter dem Steuer mit verbundenen Augen. Netflix selbst sah sich nach der ersten Welle sogar genötigt, eine Warnung auszusprechen. „Ich kann nicht glauben, dass ich das sagen muss: Bitte verletzt euch nicht bei dieser "Bird Box"-Challenge“, hieß es auf dem Twitter-Account des Streaminganbieters.

In den sozialen Medien wird gelobt, geliebt, gestritten und gehetzt. Und immer wieder sind inmitten dieses Trubels in den vergangenen Jahren Mutproben entstanden, die einen ungeahnten Bann entfaltet haben. Bei der „Ice Bucket Challenge“ schütteten sich die Teilnehmer für den guten Zweck Kübel mit eiskaltem Wasser über den Kopf und spendeten für die Erforschung der Nervenkrankheit ALS. Bei der „Plank Challenge“ machten Tausende an den ungewöhnlichsten Orten Fitnessübungen. Bei der „Choking Challenge“, die Medienberichten zufolge sogar Todesopfer forderte, fielen sie absichtlich in Ohnmacht. All das ist auf Video festgehalten und für alle sichtbar ins Netz gestellt worden.

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