Gerichtsurteil

Schimpanse Robby darf im Zirkus bleiben

Robby und Zirkusdirektor Klaus Köhler müssen sich nicht trennen. FOTO: dpa / Carmen Jaspersen

Lüneburg. Der bundesweit wohl letzte Menschenaffe in einem Zirkus soll seinen Lebensabend nicht mit Artgenossen, sondern unter Menschen verbringen. Das hat das niedersächsische Oberverwaltungsgericht gestern entschieden.

Wo ist ein praktisch nur unter Menschen aufgewachsener Zirkus-Schimpanse in seinen letzten Lebensjahren am besten aufgehoben? Darüber hat gestern das niedersächsische Oberverwaltungsgericht entschieden. Schimpanse Robby habe mehr als vier Jahrzehnte in einem kleinen Zirkus verbracht – und dort solle er auch bleiben, urteilte das Gericht in Lüneburg. Robby gilt als bundesweit wohl letzter Menschenaffe in einem Zirkus.

„Ich freue mich, dass ich mein Kind behalten kann“, sagte sein Besitzer, Zirkusdirektor Klaus Köhler, unmittelbar nach der Entscheidung des Gerichts. Nach seinen Angaben ist der Affe 47, das Gericht ging von 43 Jahren aus. In jedem Fall ist Robby ein Affengreis, auch in Gefangenschaft werden nur sehr wenige Schimpansen älter. Köhler war gegen eine Entscheidung des Landkreises Celle vor Gericht gezogen, wonach Robby in eine Auffangstation kommen sollte, die auf die Resozialisierung von Menschenaffen spezialisiert ist.

Obwohl Robby fraglos schwer verhaltensgestört sei, müsse er nicht abgegeben werden, entschieden die Richter. Robby sei zwar auf Menschen geprägt und werde nicht artgerecht und mit anderen Affen gehalten. Doch habe der Landkreis unter anderem das hohe Alter des Tieres und die damit verbundenen Gefahren einer möglicherweise Jahre dauernden Resozialisierung nicht ausreichend berücksichtigt. Zudem sei außer Acht gelassen worden, dass der Affe auch in der Einrichtung voraussichtlich nur mit wenigen Artgenossen direkten Kontakt hätte. Damit entschied der Senat anders als das Verwaltungsgericht Lüneburg im April vergangenen Jahres.

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