Steinmeier in Lateinamerika

Krisen statt Humboldt

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier auf dem Flug nach Cartagena (Kolumbien). FOTO: dpa / Bernd von Jutrczenka

Bundespräsident Steinmeier trifft in Lateinamerika auf viele Konflikte.

Und plötzlich tobt der Mob in der nordecuadorianischen Provinzhauptstadt Ibarra. Die Einheimischen jagen durch die Straßen auf der Suche nach Unterkünften venezolanischer Flüchtlinge. Wo sie fündig werden, rauben sie deren Hab und Gut und werfen es auf die Straße. Wenig später geht der Besitz der völlig verängstigten Venezolaner in Flammen auf. Die Gewaltexzesse spielten sich Ende Januar in Ecuador ab. Anlass war der mutmaßliche Mord eines venezolanischen Migranten an einer ecuadorianischen Frau.

Seit Jahren hält die Massenflucht der Venezolaner wegen der katastrophalen Versorgungslage und der staatlichen Repression an. Das bedeutet für Länder wie Kolumbien, Ecuador oder Peru zugleich eine enorme humanitäre und soziale Herausforderung, mit der Lateinamerika von der internationalen Staatengemeinschaft und von den sonst in Flüchtlingsfragen engagierten NGO weitgehend alleine gelassen wird. Es ist eines der großen Themen beim sechstägigen Besuch von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Kolumbien und Ecuador. In der kolumbianischen Hauptstadt Bogota, in der inzwischen zehntausende venezolanische Migranten leben, ist ein Besuch der Anlaufstelle der Stadtverwaltung Bogotá für venezolanische Flüchtlinge geplant. In Ecuador bestimmt das Thema die Gespräche mit Präsident Lenin Moreno.

Der ehemalige Außenminister Steinmeier ist am Montagabend zunächst in der kolumbianischen Küstenstadt Cartagena eingetroffen. Er kommt in ein Land, das nah an dem Machtkampf zwischen Venezuelas sozialistischem Machthaber Nicolás Maduro und dessen konservativ-bürgerlichem Herausforderer Juan Guaidó dran ist. In der kolumbianisch-venezolanischen Grenzstadt Cúcuta wird der Machtkampf mit anderen Mitteln ausgefochten: Es geht um die humanitären Hilfslieferungen, organisiert von der venezolanischen Opposition und blockiert von den regierenden Sozialisten. Deutschland hat Guaidó inzwischen als legitimen Präsidenten Venezuelas anerkannt bis international überwachte Neuwahlen stattfinden. Das verleiht dem Besuch Steinmeiers zusätzliche Brisanz, zumal Kolumbiens rechtsgerichteter Präsident Ivan Duque einer der erbittertsten Kritiker Maduros ist.

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