Berichte über Einflussnahme

Wie viele Wege der AfD führen nach Moskau?

Markus Frohnmaier mit Alice Weidel im März 2017 bei der Kandidatenvorstellung der baden-württembergischen AfD für die Bundestagswahl. FOTO: dpa / Marijan Murat

Ein angebliches russisches Strategiepapier beschreibt die Unterstützung einer Bundestagskandidatur mit dem Ziel, den künftigen Abgeordneten steuern zu können. Die AfD verweist auf eine „zweifelhafte Quelle“.

Es ist einer der typischen Empfänge von Botschaften in Berlin. Die AfD ist inzwischen in den Bundestag gewählt worden, die außenpolitisch in der Regel wenig erfahrenen Abgeordneten der jungen Partei mit prorussischem Grundverständnis unternehmen erste Gehversuche. Einige AfD-Politiker stehen an einem Tisch im Empfangssaal der russischen Botschaft. Es gibt Häppchen, Wein und Wodka. Und es gibt den ersten Kontakt mit dem russischen Botschafter. Man begrüßt sich freundlich. „Wir sollten einmal besprechen, wie wir enger zusammenarbeiten können“, sagt einer in die Runde, dann stecken die Herren die Köpfe zusammen.

Kann sein, dass mehr daraus wurde. Kann genauso gut sein, dass es bei einem höflichen Kennenlernen blieb. Es fällt zwar kurz auf, dass sich bei der Postenvergabe im neuen Bundestag die AfD sehr schnell für den Vorsitz in der deutsch-russischen Parlamentariergruppe interessierte. Doch um bessere deutsch-russische Kontakte bemüht sich im Auftrag von Angela Merkel auch der frühere CDU-Politiker und aktuelle Bahn-Vorstand Ronald Pofalla als Vorsitzender des Petersburger Dialogs.

Gleichwohl waberten weiter Gerüchte durchs Parlamentsviertel, die mit russischen Einflussversuchen und ominösen Geldflüssen zu tun haben. Einen Beleg für einen Teil dieser Gerüchte will ein deutsch-britisch-italienischer Rechercheverbund nun gefunden haben: Wie der „Spiegel“ und das ZDF-Magazin „Frontal 21“ berichten, konnten mit Hilfe des Dossiercenters in London mehr als zehntausend E-Mails und über 30.000 Fotos ausgewertet werden. Das Center wird von dem russischen Kremlkritiker Michail Chodorkowski finanziert. Das Material stammt diesen Angaben zufolge unter anderem aus der Korrespondenz der russischen Präsidialverwaltung und von einem ehemaligen Berliner Botschaftsattachés und wird von Geheimdienstexperten laut „Spiegel“ für authentisch gehalten.

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