Down-Syndrom

Fortschritt oder Selektion?

Valentino hat das Down-Syndrom – wie geschätzt rund 50.000 Menschen in Deutschland. FOTO: dpa

Analyse Ein Bluttest gibt Auskunft darüber, ob ein ungeborenes Kind das Down-Syndrom hat. Die Untersuchung könnte im Fall von Risikoschwangerschaften bald Kassenleistung werden. Kritiker fürchten mehr Abtreibungen.

Es gibt eine hübsche Anekdote über John Langdon Down. Der britische Arzt (1828–1896) soll mit seinen Eltern als 18-Jähriger in einem Bauernhaus Schutz vor einem heftigen Sturm gesucht haben. Dort soll ihm ein Mädchen mit eigenartigen Gesichtszügen Tee serviert haben. Down war berührt, erkundigte sich nach der Erkrankung des Mädchens und fragte sich, ob er helfen könne. Soweit die Anekdote. Einige Jahre später war es dann John Langdon Down selbst, der das heute nach ihm benannte Syndrom erstmals wissenschaftlich beschrieb. Down bezeichnete es als mongoloide Idiotie und prägte damit den Begriff des Mongolismus.

Menschen mit Trisomie 21, so der Fachausdruck, sind heutzutage ein fester Bestandteil der Gesellschaft. Es gibt kaum ein besseres Beispiel für den Erfolg der Inklusion als Menschen mit Down-Syndrom. Dank des medizinischen Fortschritts erreichen viele von ihnen mittlerweile das Rentenalter. Doch er könnte gleichwohl dazu führen, dass es Menschen mit Down-Syndrom eines Tages nicht mehr geben wird. Ein Bluttest könnte dafür verantwortlich sein.

Mithilfe des nicht-invasiven Pränataltests (NIPT) können werdende Mütter untersuchen lassen, ob ihr Kind genetische Veränderungen wie eine Trisomie 13, 18 oder 21 aufweist. Bislang müssen Schwangere den Test selbst bezahlen – was je nach Anbieter zwischen 130 und 450 Euro kostet. Doch der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA), das oberste Beschlussgremium im Gesundheitswesen, will den Test zur Kassenleistung machen. Im Spätsommer soll es eine Entscheidung geben. Der G-BA hat Fachgesellschaften, die Bundesärztekammer und den Ethikrat aufgerufen, Stellungnahmen abzugeben. Denn das Thema besitzt gesellschaftliche Sprengkraft.

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