Kommentar zum Baukindergeld

Hohe Kosten, wenige Kinder

Pro Kind und Jahr können Familien 1200 Euro Baukindergeld erhalten FOTO: dpa-tmn / Rainer Berg

Meinung Eine der großen Sorgen der Familien im Land ist der bezahlbare Wohnraum. Bund, Länder und Kommunen müssen kreativer werden, um Eltern und Kindern wirklich zu helfen.

Im internationalen Vergleich gilt die deutsche Familienpolitik als wenig effizient: Viel Geld, wenige Kinder. Dieser Befund ist leider immer noch richtig, obwohl sich mit mehr Kita-Plätzen, Elterngeld und flexibleren Arbeitszeiten in den vergangenen Jahren viel getan hat und auch die Geburtenrate zuletzt leicht gestiegen ist.

Eine der größten Herausforderungen für junge Familien ist es aktuell, bezahlbaren Wohnraum zu finden, zur Miete, zum Kaufen oder als eigene Bauherren. So war das neue Baukindergeld der Wahlkampfschlager der Union. Dass es mit einer Einkommensgrenze versehen, nach Kinderzahl gestaffelt und auf zwei Jahre begrenzt ist, zeigt Augenmaß. Immerhin ist das sonst in der Familienpolitik so gerne genutzte Prinzip Gießkanne vermieden worden. Allerdings wird man nach diesen zwei Jahren einen Kassensturz vornehmen müssen, ob vor allem Familien profitiert haben, die sich ohnehin eine Immobilie geleistet hätten oder ob tatsächlich Wohnraum geschaffen werden konnte, der sonst nicht entstanden wäre. Die ersten Auswertungen des Baukindergelds lassen jedenfalls den Rückschluss zu, dass es dort am wenigsten wirkt, wo die Wohnungsnot für Familien am größten ist: In den Ballungszentren.

In den großen Städten bedarf es noch anderer Maßnahmen für Familien: Die Kommunen könnten zum Beispiel Bauland nur für Familien mit Kindern ausweisen. Das machen beispielsweise schon Kommunen, die in begehrten Ferienregionen mit sehr hohen Immobilienpreisen liegen. Warum soll das nicht auch ein Modell für Berlin, Hamburg, Düsseldorf, Aachen oder Mainz sein? Die Kommunen müssen daran ein ureigenes Interesse haben. Denn wenn die jungen Familien einer Kommune den Rücken kehren, verlieren diese schnell an Lebendigkeit, an Attraktivität an Zukunftsfähigkeit.

(qua)
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