Bericht der Bundesregierung

Deutschland fällt beim Klimaschutz noch mehr zurück

Deutschland fällt beim Klimaschutz immer weiter zurück. Die Lücke zum Klimaziel 2020 ist größer als erwartet. Das steht im neuen Klimaschutzbericht der Bundesregierung. Die Umweltministerin will sich damit nicht zufrieden geben.

Deutschland kommt beim Klimaschutz noch langsamer voran als zuletzt angenommen. Die Lücke zur geplanten Zielmarke für 2020 werde größer ausfallen als erwartet, heißt es im Klimaschutzbericht der Bundesregierung, den das Kabinett am Mittwoch beschlossen hat. Statt wie ursprünglich geplant den Ausstoß von Kohlendioxid um 40 Prozent im Vergleich zu 1990 zu kürzen, werde dieser wohl nur um 32 Prozent zurückgehen. Aktuelle Trends etwa des Verkehrswachstums ließen aber befürchten, dass die Lücke noch größer als die acht Prozentpunkte ausfallen könnte, so der Bericht. Vor vier Jahren wurde vorhergesagt, diese könne auch nur fünf Prozentpunkte betragen.

Damals wurde ein Programm aufgelegt, um die Lücke vollständig zu schließen. Das Programm wirke zwar, sei aber bei weitem nicht ausreichend, heißt es im Bericht. Hätte es dieses nicht gegeben, betrüge die Differenz 2020 wohl zwölf Prozentpunkte. „Wir wollen unser Klimaschutz-Etappenziel so schnell wie möglich erreichen - da sind wir uns in der Koalition einig“, sagte Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) unserer Redaktion. „Ich hoffe, dass wir uns auch dann noch einig sind, wenn es konkret wird. Zwei konkrete Klimaschutz-Maßnahmen liegen gerade auf dem Tisch: Sonderausschreibungen für erneuerbare Energien und ehrgeizige Grenzwerte für neue Pkw ab 2020. Hier können wir ganz konkrete Fortschritte machen. Wer sonntags über Klimaschutz redet, sollte auch Mmntags danach handeln“, ermahnte Schulze den Koalitionspartner Union. Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) bremste bei den geplanten Sonderausschreibungen für Windstrom.

Gründe für die stärkeren CO2-Emissionen sind das vergleichsweise starke Wirtschaftswachstum, der gesunkene Preis für Öl, Kohle und Gas sowie die Zuwanderung. Eine Million mehr Einwohner bedeuten auch einen Anstieg des Energieverbrauchs und damit des CO2-Ausstoßes. Umweltverbände wie der WWF warnten, Deutschland drohe so auch das international verbindliche Klimaziel für 2030 zu verpassen. Bis dahin muss Deutschland seine CO2-Emissionen um mindestens 55 Prozent gegenüber 1990 reduzieren. Das 2020-Ziel hatte sich Deutschland selbst gesetzt. Das Ziel für 2030 ist im Rahmen europäischer Beschlüsse verbindlich.

(mar)
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