Junge Union

Der Boxer

Tilman Kuban, neuer Vorsitzender der Jungen Union (JU) FOTO: dpa / Michael Kappeler

Tilman Kuban ist neuer Vorsitzender der Jungen Union. Seine Paradedisziplin ist das Austeilen. Die Nachwuchsorganisation wird wieder konservativer.  

Tilman Kuban liebt Fußball. Alles, was ihm dieser Sport bietet, zählt für ihn auch im sonstigen Leben: Das Prinzip des Förderns und Forderns als Spieler, Trainer, Schiedsrichter. Obendrein ist der 31-Jährige Nachwuchsscout für seinen „Herzensverein“ Hannover 96. Das Herz hat es ihm angetan, es ist eines seiner Lieblingswörter. Beim Deutschlandtag des Unions-Nachwuchses, der ihn am Samstag in Berlin nach einer Kampfkandidatur gegen den Thüringer Stefan Gruhner mit 62,7 Prozent zum neuen Vorsitzenden wählte, kämpfte der Niedersachse mit „Herzblut“, trug er „das Herz auf der Zunge“ und nahm die Wahl „von Herzen gerne an“. Wie ein Herz-Bube wirkt er aber nicht. Eher wie ein Boxer, der hart austeilt.

So aufgeheizt war die Stimmung auf einem Kongress der Nachwuchsorganisation von CDU und CSU schon Jahre nicht mehr. Vielleicht sogar noch nie. Kubans Fans schrien und brüllten regelrecht. Sie klatschten, kreischten, klopften als der stämmige Norddeutsche gegen „linke Spinner“, „grünen Verbotsfetischismus“ und „Rechtsstaatsverhöhnung“ durch Ausländer vom Leder zog. Ebenso als er in Anspielung auf die siebenfache Mutter und Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) über die Pannen bei der Bundeswehr ätzte, es könne doch nicht sein, dass die Ministerin „am Ende mehr Kinder als fliegende Flugzeuge hat". Das gefiel der Unionsjugend ebenso wie seine Attacke gegen Schultoiletten „vom dritten bis zum 312. Geschlecht“. In Anlehnung an das Niedersachsen-Lied präsentiert sich Kuban mit Vorliebe als „sturmfest“ und „erdverwachsen“. Oft hat er die Ärmel seines weißen Hemdes hochgekrempelt, er ballt die Faust und spricht laut.

Für seine Kandidatur hatte er sich offensichtlich zwei Dinge genau angeschaut: Sein Vorgänger, der jetzige CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak, hatte bei seiner Kampfkandidatur um den JU-Vorsitz 2014 keine Interviews vor der Wahl gegeben. Auch Kuban hielt sich zurück und betonte dies in seiner Rede vor den Delegierten. Ein Mann, der lieber mit den Leuten an der Unionsbasis als mit Journalisten spricht, sollte das heißen. Und er hat analysiert, warum Friedrich Merz bei der Wahl um den CDU-Vorsitz Annegret Kramp-Karrenbauer unterlag. Bei dem knappen Ergebnis hätte eine Rede auf dem Parteitag den Ausschlag geben können, die zu Herzen gegangen wäre. Das war Merz nicht gelungen. Kuban ist da Profi. Herz und Seele bediente er beim Deutschlandtag reichlich.

(kd)
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