„Kein Interesse an einem Desaster“

Breite Mehrheit in Deutschland für Aufschub bei Brexit

Verzögerung ist Betrug sagen die Anhänger des Brexits - auch auf die Gefahr, dass es zu einem ungeordneten Ausstieg aus der EU kommen kann. FOTO: AP / Matt Dunham

In Berlin herrscht die Meinung vor: Wenn die Briten mehr Zeit benötigen, den Brexit zu organisieren, dann sollen sie diese erhalten. Das könnte dazu führen, dass Großbritannien doch noch einmal an der EU-Wahl teilnimmt oder sogar eine Exitstrategie aus dem Brexit sucht.

Von Gregor Mayntz
und Eva Quadbeck

Berlin Vor der Abstimmung im britischen Unterhaus über den nächsten Akt im Brexit-Drama zeichnete sich in Berlin eine Mehrheit dafür ab, den Briten eine Verlängerung zu gewähren. „Wenn das Vereinigte Königreich eine Fristverlängerung wünscht, sollte die EU diese gewähren“, sagte FDP-Chef Christian Lindner unserer Redaktion. „Wir alle können kein Interesse an einem Desaster haben“, betonte der Liberale und verwies darauf, dass sich die Briten aus der „schwierigen Lage“ nur selbst befreien könnten. Das Unterhaus sei  offensichtlich nicht handlungsfähig. „Hoffentlich wächst noch die Einsicht, dass ein zweites Referendum sinnvoll wäre. Unsere Partner von den Liberaldemokraten fordern das bereits“, erklärte Lindner.

Einigen konnten sich die britischen Parlamentarier bislang nur darauf, dass sie einen harten Brexit vermeiden wollen. Wie dies funktionieren soll, ist weiterhin völlig offen. Schon jetzt schadet der anhaltende Streit mit offenem Ende Großbritannien. Das Pfund war zuletzt auf Achterbahnfahrt. Wer kann, sorgt privat vor:  Immer mehr Briten besorgen sich einen deutschen Pass. Lag die Zahl der Einbürgerungen vor zehn Jahren noch bei 250 bis 280 im Jahr, stieg sie mit zunehmender Brexit-Debatte bis 2015 auf 622. Im Jahr des Brexit-Referendums vom Juni 2016 schnellte sie auf 2865  und stieg 2017 erneut auf fast 7500 an. Aktuelle Trends will das Statistische Bundesamt im Juni veröffentlichen.


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