Gendersternchen? Binnen-I?

Liebe Leser*innen, regt euch ab!

Das Gendersternchen ist für viele ein Stein des Anstoßes. Offiziell erlaubt ist es noch nicht. FOTO: picture alliance / ZB / Sascha Steinach

Meinung Wie rücksichtsvoll und gerecht soll unsere Sprache sein? Darüber wird mal wieder heftig diskutiert, wegen eines Karnevalswitzes und eines öffentlichen Aufrufs. Im Spiel ist viel Gift – leider, denn die Debatte ist wichtig.

Wir müssen mal über Unfug reden. Denn im Moment wird ziemlich viel Unfug geredet, und zwar über tatsächlichen ebenso wie über nur vermeintlichen Unfug. Aber im Klartext: Es geht um unsere öffentliche Sprache, schriftlich wie mündlich. Noch genauer: darum, wie gerecht und rücksichtsvoll dieses Sprechen und Schreiben sein kann, darf, muss. Das ist eine ewige Debatte; zuletzt drehte sie sich um zwei Themen besonders: um den Karneval und um Geschlechtergerechtigkeit.

Erstens war da CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer, die erst einen Witz über Berliner Männer und Toiletten für Intersexuelle machte und dann, als ihr dafür herbe Kritik entgegengeschlagen war, befand, wir Deutschen seien doch „das verkrampfteste Volk, das auf der Welt rumläuft“. Zweitens ist da der Aufruf des Vereins Deutsche Sprache, „mit dem Gender-Unfug“ aufzuhören; mehr als 50.000 Menschen haben bereits unterschrieben. Der Aufruf richtet sich gar nicht in erster Linie gegen Auswüchse wie das Gendersternchen („Bürger*innen“), sondern gegen Doppelnennungen („Bürgerinnen und Bürger“) und neutrale Formen („Studierende“ statt „Studenten“).

Beide Male stellt sich, grob gesagt, ein mehr oder weniger prononcierter Konservatismus gegen den Zeitgeist. Beiden Debatten gemeinsam ist der Streit darum, was man öffentlich sagt und wie – und eine Giftigkeit des Tons, die zu sagen scheint: Hört bloß mit diesem Mist auf! Genau das ist das Problem.

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