CDU-Chefin an den Flügeln gefordert

Zwischen den Flügeln

CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer FOTO: REUTERS / FABRIZIO BENSCH

Weil sich Annegret Kramp-Karrenbauer zuerst um die Konservativen gekümmert hat, erinnern ihre liberalen Anhänger sie jetzt an Merkels Erbe. Flügelkämpfe zu verhindern, ist die nächste Baustelle für die CDU-Chefin.

Annegret Kramp-Karrenbauer hat in knapp vier Monaten etwas geschafft, was die CDU unter ihrer Vorgängerin Angela Merkel so wohl nicht mehr erlebt hätte: Die ausdrückliche Einbindung und Wertschätzung der Konservativen. Die 56-Jährige hat sich nach ihrer Wahl zur Vorsitzenden als erstes daran gemacht, die enttäuschten Anhänger ihres unterlegenen Kontrahenten Friedrich Merz aufzusuchen und zur Mitarbeit zu motivieren. Das ist ihr so gut gelungen, dass sogar der Merkel-Gegner und Merz-Fan, der Vorsitzende des Parlamentskreises Mittelstand  Christian von Stetten, nach einem Auftritt von Kramp-Karrenbauer bei seinem Neujahrsempfang ein Foto mit ihr unter der Überschrift machte: „Neue Freunde!“

Die Saarländerin hat es sogar geschafft, einen Draht zu Merz aufzubauen. Fast schon vergessen, dass sie mit Paul Ziemiak einen engen Vertrauten des ebenfalls unterlegenen Gesundheitsministers Jens Spahn zum Generalsekretär machte. Und dann hat sie auch noch Frieden mit der CSU geschlossen. Diese unerwartete Bilanz hat nur einen Haken: Jetzt sind Kramp-Karrenbauers Unterstützer irritiert, die in ihr die natürliche Erbin Merkels politischer Arbeit sahen. Nun hat sich bei ihnen so etwas wie Enttäuschung eingeschlichen. 

Noch ist die „Union der Mitte“ nur ein loser Zusammenschluss von CDU-Politikern aus Kommunen, Ländern und dem Bundestag, aber die liberale Gruppierung wirkt bereits als Gegengewicht zur rechten Seite der Partei, wo die WerteUnion verortet wird. Keiner wolle Flügel haben, heißt es, Kramp-Karrenbauer am wenigsten. Andere Parteien dienten da zur Abschreckung. Aber die CDU-Chefin hat nun gleich die nächste Baustelle vor der Tür: Flügelkämpfe verhindern.

(kd)
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