Gymnasium

G 8 wird ein Thema für den Wahlkampf

Die Kehrtwende ist spektakulär: Die Landeselternschaft der Gymnasien, bisher eine der Stützen von Schulministerin Sylvia Löhrmann im Kampf gegen eine Rolle rückwärts zum neunjährigen Gymnasium, schlägt sich unter ihrem neuen Vorsitzenden auf die Seite der Kritiker des "Turbo-Abiturs". Noch bevor die Entschärfung, die der runde Tisch auf den Weg gebracht hat, in geltendes Recht gegossen ist, springen schon die ersten ab, die die Reform im Herbst mittrugen.

Düsseldorf

Lehrer: Löhrmann soll Sport-Erlass zurücknehmen

Die Lehrerverbände in NRW verstärken ihren Widerstand gegen den Sport-Erlass des Schulministeriums. "Wir wollen, dass der Erlass zurückgenommen wird", sagte die Justiziarin der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft in NRW, Ute Lorenz: "Ich hätte gern eine klarere Rechtsgrundlage." Ministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) könne entweder den gesamten Erlass zurücknehmen oder nur den Teil, der sich auf die fachlichen Qualifikationen der Sportlehrer bezieht. Dann müsse der Text neu erarbeitet werden, forderte Lorenz.

Brexit-Referendum

Stadt gegen Land, Jung gegen Alt

Der Nordwesten blau, der Südosten rot: Das waren die farblichen Machtverhältnisse, als am frühen Morgen ein Wahlkreis-Ergebnis nach dem anderen eintrudelte. Großbritannien ist nicht nur gespalten, weil etwas mehr als die Hälfte für den EU-Austritt und etwas weniger als die Hälfte dagegen ist - der Riss geht auch geografisch mitten durch das Vereinigte Königreich. Grob gesagt ist das Ergebnis: England und Wales wollen raus, Schottland und Nordirland wollen drinbleiben. Am entschiedensten proeuropäisch sind die Schotten, von denen 62 Prozent für "Remain" stimmten. Kein einziger der schottischen Wahlbezirke hat mehrheitlich für den Brexit votiert. In Nordirland waren 55,8 Prozent für den Verbleib in der EU. In den Bezirken an der Grenze zu Irland, demnächst einer EU-Außengrenze mit allen bürokratischen Konsequenzen, erreichten die "Remainers" Werte bis zu 78 Prozent.

Bildung

Mut zur Leistung in der Schule

Einen unbestreitbaren Vorteil hat der erste Leistungsvergleich der deutschen Grundschulen, den die Kultusminister gestern vorgelegt haben: Unfruchtbare Strukturdebatten lassen sich damit nicht befeuern. In Sachen Grundschule sind alle Bundesländer gleich: Eine Schule für alle heißt die Devise. Das heißt freilich noch lange nicht, dass ein Bremer Viertklässler so viel kann wie einer aus Bayern. Wütende Kritiker angeblicher Bildungskleinstaaterei an den weiterführenden Schulen mögen die Ohren spitzen: Auch dasselbe System produziert höchst unterschiedliche Leistungsstände.

Bildung

Bei G 8 verlieren die Parteien die Nerven

Wer wissen will, was eine selbsterfüllende Prophezeiung ist, der sollte in den kommenden Monaten genau nach Nordrhein-Westfalen schauen. Dem Land stehen beim "Turbo-Abitur" weitere unruhige Monate bevor - das ist seit gestern klar, seit die SPD-Fraktion offen über den Plan B für den Fall spricht, dass G 8 scheitert. Ein unbegreiflicher Fehler. Denn jedem Anfänger müsste doch klar sein: Man kann nicht Ruhe propagieren und gleichzeitig Ausstiegsszenarien verbreiten. Wer von neuer Unruhe an den Schulen redet, der wird sie auch bekommen - schon weil die G 8-Gegner längst Morgenluft wittern.

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