Anti-Atom-Bewegung

Die nuklearen Bomben von Büchel

Der Fliegerhorst Büchel mit dem angrenzenden Depotgelände. Hier sollen die US-Atombomben lagern. FOTO: Thomas Frey / dpa

Büchel/Berlin. Wie ein kleiner Ort unweit des Saarlandes mit den Massenvernichtungswaffen der USA und der Gefahr eines neuen Kalten Krieges lebt.

(dpa) Büchel besteht aus 442 Häusern, in denen 1154 Menschen leben, die 752 Autos fahren. Es gibt drei Gaststätten, eine freiwillige Feuerwehr, eine katholische Kirche und einmal im Jahr ist Kirmes. Der kleine, windige Ort in den Hügeln der Vulkaneifel ist auf den ersten Blick ein Dorf wie jedes andere auch. Wäre da nicht etwas, das es nirgendwo sonst in Deutschland gibt: Rund 20 Atombomben, jede für sich mit der vierfachen Sprengkraft der Bombe von Hiroshima.

Die Bücheler nennen die tödlichsten Waffen in ganz Deutschland nur spöttisch „die 20 Eier“. Offiziell gibt es sie gar nicht. Jeder weiß aber, dass sie streng bewacht von einer US-Spezialeinheit in Metallbunkern auf dem Fliegerhorst der Bundeswehr lagern, der nur einen Kilometer vom Dorfkern entfernt liegt. Niemand bezweifelt oder dementiert das.

Vom Ortsschild kann man die „Tornado“-Kampfjets, die im Ernstfall die Bomben abwerfen sollen, starten und landen sehen. Hören kann man sie überall in Büchel. Oft donnern sie zigmal am Tag in die Luft. Die Atombomben gehören ungefähr so lange zu dem Dorf in Rheinland-Pfalz wie Willi Rademacher. Der parteilose Bürgermeister ist heute 62. Er kann sich noch gut daran erinnern, wie er als Kind in den 60er Jahren zum ersten Mal US-Soldaten begegnet ist, die für „Munitionstransporte“ auch schon mal die Straßen sperrten.

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