SPD und Union für Groko

Schwarz-Rot geht die Sonne auf

Otto Piene, Black Sun, 1964 © VG Bild-Kunst, 2017FOTO: © VG Bild-Kunst

Berlin. Es ist geschafft – fürs erste. Die Spitzen von Union und SPD haben sich nach über 24 Stunden Sondieren am Stück auf eine mögliche Groko geeinigt. Jetzt muss Martin Schulz seine Partei davon überzeugen. Das wird keine leichte Sache.

Als Martin Schulz redet, kann Angela Merkel ein leichtes Gähnen nicht unterdrücken. Vielleicht liegt das auch an der langatmigen Art, wie der SPD-Vorsitzende das Ergebnis der Sondierungen vorstellt, und nicht nur an der Müdigkeit. Die CDU-Chefin wirkt nämlich ansonsten ganz fröhlich. „Als ich vor über 24 Stunden hier reingegangen bin, war ich noch nicht sicher, dass es gelingt.“ Jetzt aber, nach einem zähen Ringen, steht ein 28-seitiges Sondierungspapier. Nun kämen die Koalitionsverhandlungen, sagt die amtierende Kanzlerin. „Und dann spüren wir eine Aufgabe.“ Bis Ostern soll die neue Regierung gebildet sein.

Es war ein Sitzungsmarathon, wie ihn die deutsche Politik noch nicht erlebt hat. Rund 30 Journalisten harren die ganze Nacht vor der Tür der SPD-Zentrale aus, im „Willy’s“ genannten Café können sie sich aufwärmen. Bei einigen von ihnen werden derweil die Autos aufgebrochen, trotz der vielen Polizisten, die die Umgebung absichern. Berlin-Kreuzberg eben. Nachrichten dringen nicht nach außen. Man erfährt nur: Es geht hin und her. Große Runde, kleine Runde, Fachgruppen, Parteichefs, Vieraugengespräche. „Große Brocken“ ist das Wort dieser Nacht. Manche Verhandler wie Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen oder CDU-Vize Julia Klöckner gönnen sich zwischendurch einen kleinen Spaziergang, um frische Luft zu schnappen.

Erst gegen acht Uhr morgens ist man fertig. Die Union ist schnell durch mit ihrer internen Schlussberatung, um neun Uhr gehen die ersten ihrer Unterhändler nach Hause. Die SPD braucht etwas länger. Dann, um elf Uhr am Freitag, nach 26 Stunden, treten die Parteichefs vor die Presse. Es ist Tag 110 nach der Bundestagswahl.

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