Angehörige im NSU-Prozess

„Solange die Lücken bleiben, können wir nicht abschließen“

Die Nerven liegen blank: Ayse Yozgat (l) und Ismail Yozgat (r), Eltern des NSU-Opfers Halit Yozgat, im Oberlandesgericht. FOTO: dpa / Peter Kneffel

München. Zschäpes harte Verurteilung dürfte für die Angehörigen der Mordopfer eine gewisse Genugtuung bereiten. Aber es bleiben viele offene Fragen.

Viele Angehörige der Mordopfer sind gestern noch einmal nach München gekommen, um das Urteil mitzuverfolgen. Dem Vater des in Kassel ermordeten Halit Yozgat, Ismail Yozgat, gehen die Nerven durch. „Es gibt keinen Gott außer Gott“, ruft er immer wieder auf Arabisch in den Saal. Laut, sehr laut. Die Worte sind Teil des islamischen Glaubensbekenntnisses. Es dauert einige lange Momente, bis er der Aufforderung des Richters folgt, bitte leise zu sein. Die Angehörigen bekommen auch die Strafen für die anderen vier Angeklagten mit, etwa die zehn Jahre, zu denen das Gericht Ralf Wohlleben als Waffenbeschaffer für den NSU verurteilt. Aber auch die lediglich zwei Jahre und sechs Monate für André E. – die Anklage hatte zwölf Jahre Haft wegen Beihilfe zum versuchten Mord gefordert.

Das harte Urteil gegen Zschäpe dürfte für die Angehörigen eine gewisse Genugtuung bedeuten. Sie hofften auf eine hohe Strafe, hatten einige von ihnen zuvor gesagt. Andere beklagen, unabhängig vom Urteil, dass ihre Fragen in dem Mammutprozess nicht beantwortet worden seien. Beispielsweise die, warum gerade ihr Angehöriger sterben musste. Es bleibt auch die Frage nach dem teils eklatanten Behördenversagen.

„Wenn das Gericht ehrlich ist, wird es auch noch sagen, dass Lücken geblieben sind. Solange diese Lücken bleiben, können meine Familie und ich nicht abschließen“, sagt Gamze Kubasik, die Tochter des in Dortmund ermordeten Mehmet Kubasik, nach der Urteilsverkündung.


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