Gipfel in Brüssel

Trump feuert Breitseiten gegen Nato-Partner

Was geht in Donald Trump vor? Diese Frage stellen sich derzeit dessen Nato-Partner. Beim Gipfel in Brüssel fordert  er mehr Geld für die Allianz, lässt aber offen, wie er zum Bündnis steht. FOTO: dpa / Geert Vanden Wijngaert

Brüssel. Zuerst verhöhnt der US-Präsident Deutschland, dann schimpft er über die Zahlungsmoral der Allianz. Danach ist er aber bester Laune.

So frontal hat noch kein US-Präsident einen deutschen Regierungschef attackiert. Noch bevor der Nato-Gipfel in Brüssel gestern überhaupt ins Rollen kam, schoss sich Donald Trump bereits auf Angela Merkel ein. Die Bundesrepublik sei ein „Gefangener Russlands“, schimpfte der Präsident. Aber auch Merkel teilte aus.

Es gab „hervorragenden Orangensaft“ und das Frühstück wurde „bezahlt von den USA“, wusste Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg nach dem ersten Treffen mit US-Präsident Donald Trump am Vormittag zu berichten. Der nutzte die kleine Runde allerdings für einen offenbar kalkulierten Auftritt. „Deutschland ist total von Russland abhängig“, wetterte Trump über die NordStream-2-Pipeline von Russland direkt in die Bundesrepublik. Das Land sei ein „Gefangener Russlands“. Und weiter: „Es ist traurig, dass Deutschland massive Deals mit Russland macht, während von uns erwartet wird, es gegen Russland zu verteidigen.“ Wenig später konterte die Kanzlerin, „wir stellen den größten Teil unserer militärischen Fähigkeiten in den Dienst der Nato“. In Afghanistan verteidige man „auch die Interessen der Vereinigten Staaten“. Und dann griff sie in die eigene Biographie. Sie sei in der ehemaligen DDR aufgewachsen und „froh, heute eine eigenständige Politik machen“ zu können. Im Übrigen gehe sie „fröhlich“ in die Beratungen.

Das hat offensichtlich geholfen. Denn so diplomatisch unglaublich dieser Affront Richtung Merkel auch war, später redete man wenigstens wieder miteinander und nicht übereinander. Als sich die beiden am Nachmittag trafen, betonte Trump anschließend, er habe ein „sehr, sehr gutes Verhältnis“ zur Kanzlerin. Ein Regierungssprecher Merkels beschrieb anschließend, man habe sich über die Nato, die globale Migration und die Ostukraine „ausgetauscht“. Kein Wort über die Atmosphäre oder die Nähe zwischen beiden. Ein weiteres Gespräch mit Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron sei „very good“ verlaufen, betonte Trump. Man habe über den Welthandel und die Nato gesprochen – und hielt Macron freundschaftlich die Hand hin.

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