Nach den Mid-Terms

Trump setzt Justizminister an die Luft

Jeff Sessions ist Trump schon lange ein Dorn im Auge. Jetzt muss er seinen Posten räumen.FOTO: dpa / Pablo Martinez Monsivais

Washington. Jeff Sessions erzwungener Rücktritt könnte das Aus für die lästigen Russland-Ermittlungen bedeuten.

Wie Donald Trump über Jeff Sessions denkt, hat Bob Woodward in seinem Enthüllungsbuch „Fear“ prägnant beschrieben. Demnach verspottet der Präsident den Politikveteranen aus Alabama bisweilen als hinterwäldlerischen Südstaatler, dessen Intelligenzquotient zu wünschen übrig lasse. Der Mann, gab er einmal zum Besten, tauge nicht mal zum Provinzanwalt einer Ein-Mann-Kanzlei in Alabama.

Dass die Entlassung des Justizministers Sessions nur eine Frage der Zeit sein würde, darin waren sich so ziemlich alle Beobachter in Washington einig. Zu oft hatte sich Trump in zornigen Tweets über den Ex-Senator beschwert, ihn einen Schwächling genannt, weil er ihn nicht vor den Russland-Ermittlungen schütze. Dass er nun seinen Rücktritt erzwang, war alles andere als eine Überraschung. Überraschend war höchstens, mit welcher Eile er Sessions den Dienst quittieren ließ, am Tag nach den Kongresswahlen, als nicht einmal alle Ergebnisse feststanden. In den Wochen vor dem Votum hatte es Trump tunlichst vermieden, den Streit mit Sessions hochkochen zu lassen. Es hätte schwankenden Wählern womöglich Anlass gegeben, auf Distanz zu den Republikanern zu gehen. Nach der Wahl glaubt der Präsident, solche Rücksichten nicht mehr nehmen zu müssen.

Mit der kommissarischen Besetzung des Amts macht er deutlich, was vor allem er vom Chef des Justizressorts erwartet: bedingungslose Loyalität. Ergebene Treue in einer Phase, da Trump offensichtlich mit dem Gedanken spielt, die Nachforschungen des Sonderermittlers Robert ­Mueller abzuwürgen.

top