Bundesweite Razzia

Polizei-Gewerkschaft hält "Osmanen-Rocker" für brandgefährlich

Die Sicherheitsbehörden haben zum Schlag gegen die türkischstämmige Rockergruppe "Osmanen Germania" ausgeholt. Schwerpunkt der Razzia war NRW - dort sollen die meisten Mitglieder leben.

Mit einer bundesweiten Razzia ist die Polizei gegen die türkisch-nationalistische Gruppierung "Osmanen Germania" vorgegangen. Die Durchsuchungen fanden in Hessen, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen statt. Bundesweit nahmen sich in den frühen Morgenstunden 1000 Polizisten 60 Objekte vor, wie das Bundesinnenministerium am Dienstag mitteilte. Der Schwerpunkt der Razzia lag in Nordrhein-Westfalen. Dort waren allein 800 Polizisten im Einsatz. Sie durchkämmten 41 Objekte in 20 Städten. Zu Durchsuchungen kam es unter anderem in Duisburg, Essen und Köln. Sichergestellt wurden Kutten, Datenträger, Schriftstücke, Waffen und Drogen.


Die Gruppierung steht nach Einschätzung der Sicherheitsbehörden in Verbindung zur türkischen Regierungspartei AKP. Ihr werden auch Kontakte zum türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan nachgesagt. Das Bundesinnenministerium warnt, dass der Verein "Osmanen Germania", dessen Mitglieder überwiegend türkischstämmig sind, nicht das ist, was er vorgibt zu sein. Er bezeichne sich als Boxclub und gebe vor, Jugendliche von der Straße holen zu wollen, hieß es am Dienstag aus dem Innenministerium. Tatsächlich aber liege der Zweck "in der gewalttätigen Gebiets- und Machtentfaltung sowie in der Selbstbehauptung gegenüber rockerähnlichen Gruppierungen".

So kam es in der Vergangenheit immer wieder zum Bandenkrieg mit der kurdischen Gruppierung "Bahoz", die ebenfalls als "rockerähnlich" eingestuft wird. In der Vergangenheit sei es wiederholt zu schwerer Körperverletzung und zu Tötungsdelikten gekommen. Politisch richtet sich die "Osmanen Germania" gegen diejenigen, die auch Erdogan als Feinde der Türkei bekämpft: Die kurdische PKK, linksextremistische Türken und die Gülen-Bewegung. Die Gülen-Bewegung wird in der Türkei als Drahtzieher des gescheiterten Militärputsches von Sommer 2016 verantwortlich gemacht. NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) hatte im Landtag betont, die Aktivitäten der Osmanen würden von türkischen Behörden als "Terrorbekämpfung" befürwortet.

(qua, csh)
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