Asylbewerber im Zeltlager Metz

Das triste Leben im Dschungel von Metz

Auf einem Parkplatz in Metz leben rund 400 Asylbewerber. Tausende waren es 2016 im „Dschungel von Calais“, dem berüchtigtsten Flüchtlingscamp Frankreichs. Doch die Bilder ähneln sich. FOTO: Hélène Maillasson

Metz. Lothringen ist nicht Ungarn. Doch auch dort, nur 70 Kilometer vom Saarland entfernt, leben Flüchtlinge in desolaten Verhältnissen.

Viele Männer und zwei Fraunen haben sich um die kleine Hütte am Eingang des Zeltlagers versammelt. „Transfer, transfer“, rufen alle, mehr oder weniger laut. Der Sicherheitsmann versucht, mit dem blauen Edding vier Namen auf eine weiße Tafel zu schreiben. Da es den ganzen Vormittag heftig regnete, klappt es bescheiden. Es ist hektisch, und so bleibt ihm keine Zeit, bei jedem Einzelnen, der hereinkommt, zu fragen, was er eigentlich hier will. Glück gehabt, denn Journalisten sind im Zeltlager der Straße Blida in Metz nicht immer gerne gesehen. Mal dürfen sie rein, mal nicht.

Denn hier, knapp 20 Minuten Fußweg von der Metzer Kathedrale entfernt, zeigt sich das hässliche Gesicht der Stadt. Auf einem großen Parkplatz neben dem Busdepot und dem Müllverarbeitungszentrum leben hunderte von Migranten unter desolaten Bedingungen. Laut Präfektur sind es zurzeit 367 Menschen, darunter 122 Minderjährige. Auf dem Boden wurden Begrenzungen mit gelber Farbe gezogen. Auf jedem markierten Rechteck darf ein Zelt aufgestellt werden. Wer bei seiner Ankunft nicht sofort eines von einer der Hilfsorganisationen bekommen hat, hat sich anders arrangiert, mit Paletten und Mülltüten. Die vierköpfige bosnische Familie – Vater, Mutter und zwei Mädchen in jugendlichem Alter –, die am Vortag im Lager angekommen ist, hat Glück im Unglück. Kaum 24 Stunden nach der Ankunft gehört sie zu den vier Familien, die der Sicherheitsmann ruft, weil sie am Nachmittag in eine Notunterkunft umziehen. Die Mutter guckt grimmig. Weder sie noch ihr Mann haben wirklich verstanden, was passiert. Chantal Muszynski, die sie schon bei der Ankunft empfangen hat, versucht zu übersetzen. Die 64-jährige Metzerin ist Mitglied des „Collectif Mosellan de Lutte contre la Misère“ (kurz CMLM, deutsch: Mosel-Kollektiv für den Kampf gegen Armut). Die Hilfsorganisation kämpft dafür, dass in Metz niemand draußen leben muss – egal, ob Obdachlose oder die Migranten des Lagers. „Ob diese Menschen tatsächlich ein Recht auf Asyl haben oder nicht, das kann ich nicht beurteilen. Ich will nur, dass sie in menschenwürdigen Bedingungen leben, bis die Entscheidung fällt“, sagt die Helferin.

Davon ist man auf dem Gelände noch weit entfernt. In manchen Zelten regnet es – der Hagel der vergangenen Tage ist Schuld. Elektrokabel liegen ungesichert zwischen den Zelten am Boden. Kinder spielen mit dreckigem Wasser. Ob es sich dabei um stehendes Regenwasser handelt oder Flüssigkeit aus einem Leck im nahen Sanitärblock, will man lieber nicht wissen. Mehrere solcher Blöcke mit Toiletten, Waschbecken und Duschen sind hier aufgestellt. „Das warme Wasser reicht für 70 Duschgänge am Tag“, berichtet Chantal Muszynski.

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