Glosse

Einmisten

FOTO: picture alliance / dpa / Tobias Hase

Früher war Essen angeblich die neue Religion. Jetzt ist es offenbar das Aufräumen. Denn überall wird es derzeit als fast meditative Übung im Loslassen, als Weg zum Glück und wertvoller Schritt zur Lebensorganisation gepriesen.

Aber das kann höchstens die halbe Wahrheit sein. Denn wenn laut einer YouGov-Umfrage ein Viertel der Deutschen zwei Mal im Jahr ausmistet und mancher sogar noch öfter, bleibt die Frage: Was passiert in der übrigen Zeit? Dabei kann es sich nur um Einmisten handeln. Also etwa das unüberlegte Kaufen, sinnlose Anhäufen und panikartige In-den-Schrank-Stopfen bei Ankündigung von Besuch. All das klingt nicht gerade klug, ist aber im Grunde die Voraussetzung für den Erfolg. Denn nur wer vorher eingemistet hat, kann auch ausmisten.

Manche schaffen es, beide Vorgänge sogar harmonisch zu verbinden. So misten sie erst aus, unterwerfen den Schrank strengen Ordnungsprinzipien und sortieren nur noch ein, was sie brauchen. Dann aber bleibt erstaunlicherweise noch so viel übrig, das wieder eingemistet wird. Und den Fortschritt erkennen dann nur Experten des optimierten Mistens. Oder wie es abgekürzt heißt: Optimisten.

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