Flüchtlinge werden zu Nachbarn

Bad Kreuznach. Immer mehr Flüchtlinge kommen nach Deutschland. Gleichzeitig steigt die Welle der Hilfsbereitschaft an. Sprachkurse und Fußballtraining sind auch in Rheinland-Pfalz die Türöffner, die das Einleben erleichtern.

Siegfried Pick ist so etwas wie ein Flüchtlingsvater. Seit rund 30 Jahren engagiert sich der Ausländerpfarrer ehrenamtlich. Er leitet das Ausländerpfarramt in Bad Kreuznach , das die Ehrenamtsarbeit für Flüchtlinge in Rheinland-Pfalz koordiniert. 400 000 bis 500 000 neue Flüchtlinge werden in diesem Jahr in Deutschland erwartet. 6000 im Saarland, 20 000 in Rheinland-Pfalz. Das wären doppelt so viele wie im Vorjahr. Je mehr Flüchtlinge , desto mehr Probleme? "Wir hatten noch nie so eine breite Welle der Hilfsbereitschaft", sagt Pick. Immer mehr Menschen meldeten sich freiwillig und wollten sich engagieren.

Wie in Bernkastel-Kues: "1:1 für ein Willkommen" heißt die Initiative, die Jürgen Servatius und Manfred Junk an der Mosel ins Leben gerufen haben. Ein offenes Fußballtraining für Flüchtlinge . "Durch Sport ist es manchmal leichter, Kontakte zu bekommen", sagt Servatius. "Viele haben früher gespielt und keine Möglichkeit mehr gehabt." Aus Ägypten, Eritrea, den Palästinensergebieten, Syrien und Ungarn kommen die Kicker. Der Jüngste ist 15, der Älteste 52 Jahre alt. Viermal wurde bisher gebolzt, während des Fastenmonats Ramadan ist erst einmal Pause.

"Willkommen in MüSa" heißt die Initiative des rheinhessischen Ortes Münster-Sarmsheim, die im November 2014 ins Leben gerufen wurde. Die Initiative, die sich inzwischen um 18 Flüchtlinge kümmert, organisierte in kurzer Zeit zwei Ein-Zimmer-Apartments sowie Wohnungen für zwei, vier und sechs Flüchtlinge . Die Einrichtung für die Wohnungen wurde gespendet. Eine syrische Familie zog Anfang Juli in die Wohnung eines Mitgliedes der Initiative. Der Mitgründer der Initiative, Roland Beek, sagt bescheiden: "Wir sind nichts Besonderes. Es gibt in Rheinhessen, in Rheinland-Pfalz und in Deutschland Zigtausende Menschen die sich schon seit sehr langer Zeit um Flüchtlinge kümmern." Es gibt aber auch die andere Seite. Roland Beek aus Münster-Sarmsheim setzt sich für eine "Willkommenskultur" ein - er spricht aber auch von Anfeindungen und Beleidigungen gegen die, die sich engagieren. Das Thema Flüchtlinge kann spalten, mancherorts gibt es Widerstand. Im Mai legten Unbekannte im pfälzischen Limburgerhof ein Feuer in einem noch unbewohnten Flüchtlingsheim "Flüchtlinge bringen die Probleme in anderen Ländern dieser Erde bis vor unsere Haustür", sagt Pfarrer Pick. Mehr Flüchtlinge brauchen auch mehr Raum. Er setzt auf die Hilfe vor Ort. Sein Ziel: "Wenn Flüchtlinge ganz normale Nachbarn von ganz normalen Menschen werden, dann bin ich zuversichtlich."

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