Diskussion über Tholeyer Abtei

Tholey oder: „Für wen ist die Kirche da?“

Nach der Sanierung soll die Tholeyer Abteikirche, die um 1264 gebaut wurde, wieder als herausragendes deutsches Kulturgut erkennbar werden. FOTO: B&K / Bonenberger/

Tholey/Saarbrücken. Neue Fenster für die Abtei St. Mauritius: Architekten wehren sich gegen Alleingang der Fratres und fordern eine öffentliche Debatte.

Die Tholeyer Fratres haben die Hemdsärmel hochgekrempelt, für sie ist die Planungsphase der 1,2 Millionen Euro teuren Rundum-Sanierung ihrer Abteikirche seit Anfang Dezember zu Ende. Sie wissen, wer die mehr als drei Dutzend Fenster in der frühgotischen Kirche St. Mauritius neu gestalten soll: die in München beheimatete Glaskünstlerin Mahbuba Maqsoodi und Deutschlands teuerster und berühmtester Künstler, Werner Richter (die SZ berichtete). Man prüft Richters Entwürfe bereits auf technische Realisierbarkeit, diskutiert mit Maqsoodi Motive und hat die Verträge mit ihr vorbereitet.

Doch nun kommt ein Zwischenruf für ein Moratorium von Seiten des Bundes Deutscher Architekten (BDA). Der Vorsitzende des hiesigen Landesverbandes, Peter Alt, appelliert an die „Dialogbereitschaft“ der Klostergemeinschaft und regt an, die Öffentlichkeit einzubinden: „Wir plädieren für einen offenen Dialog, beispielsweise im Rahmen eines Symposiums. Ein besserer Ort als die Abtei selbst kann für einen solchen notwendigen Prozess kaum gefunden werden.“

Alt hält einen Austausch von Positionen bei einem Kulturgut dieser Wertigkeit für zwingend, um ein „stimmiges Kirchenraumkonzept“ zu finden. Wobei es laut Alt dabei nicht um Geschmacksfragen geht, sondern um grundsätzlich zu klärende kulturhistorische Probleme: „Wie kann mit Hilfe der Kunst in der heutigen Zeit Glauben im christlichen Sinn glaubhaft vermittelt werden?“ Dabei sei es sekundär, ob eine Frau oder Nichtchristin die Fenster entwerfe, sehr wohl aber, ob sie abstrakt oder, wie Maqsoodi, figürlich arbeite. Denn die drei von Gerhard Richter gestalteten Chorfenster sind abstrakt geplant. Alt möchte überprüft wissen, „ob und wie eine Mischung beider Gestaltungsarten in Frage kommen kann, und ob damit eine angemessene Raumwirkung erzielt werden kann.“

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