Ausstellung in Luxemburg

Luxemburgs Straße der Bilder

Helfer mit starker Schnauze: eine Szene aus der Nachkriegszeit in Luxemburg, von Théo Mey fotografiert. FOTO: Théo Mey/Historisches Museum Luxemburg / Théo Mey

Luxemburg. Die Ausstellung mit Luxemburger Straßenfotografie aus fast 70 Jahren erzählt kleine Geschichten und manchmal auch große Geschichte.

Wäre man da nicht gern dabei gewesen? In diesem Moment? 1952, Soldaten nehmen vor dem Grand Palais Ducal Aufstellung. Luxemburgs Altstadt hat sich mit Fahnen rausgeputzt. Doch es ist nicht die bis heute von den Luxemburgern verehrte Großherzogin Charlotte, die alle Blicke auf sich zieht. Ein frecher, kleiner Hund ist es, der das Zeremoniell, das Pathetische für Sekunden schwanzwedelnd aus den Angeln hebt. Einige Soldaten können sich das Lachen kaum verkneifen. Pol Aschman, einer der bekanntesten Fotoreporter Luxemburgs, hat diese Szene auf ewig gebannt. Einer von vielen Meisterschüssen Aschmans, der zugleich als Paradeexempel für jene Straßenfotografie gelten darf, die das Museum der Stadt Luxemburg gerade zeigt.

200 Aufnahmen sind es – von den frühen 50ern bis heute. „Leit an der Stad“ heißt diese Zeitreise in Bildern. Aus den Beständen der beneidenswert gut bestückten Fotothek der Stadt konnten die Macher schöpfen, aber auch auf Privatsammlungen zugreifen. Viele Fotografien sind zunächst Alltagsmomente aus dem städtischen Luxemburg: Bilder aus der ärmlichen Nachkriegszeit, in denen sich Luxemburg nach der deutschen Besatzungszeit erst wieder mühsam aufrappeln musste, sind der Startpunkt. Bis allmählich die Schaufenster sich füllen, die Straßen voller, die Autos größer werden. Für etliche Fotografien ließe sich Ähnliches in Deutschland finden. Und doch: Die Eleganz, mit der die Damen über die Grand Rue stolzieren, weist eindeutig nach Paris, nicht nach Frankfurt oder Berlin. Aber auch das EU-Luxemburg, der Bankenplatz von heute ist Teil der Ausstellung – mit seiner Pracht aber auch seinen tristen Kehrseiten.

Für die Schau hat man sozusagen die Crème de la crème von Luxemburgs Fotoschaffenden versammelt. Édouard Kutter, Jahrgang 1934, ist darunter, Spross einer Fotografenfamilie und Schüler noch von Otto Steinert. Aber auch Batty Fischer (1877-1958), der seinen Lebensunterhalt als Zahnarzt verdient, dessen ganze Passion aber dem Fotografieren gilt. Einem Flaneur gleich streift er durch die Quartiere, ein Mann von Geist mit Blick für das Ästhetische. Paul (Pol) Aschmam (1921-1990) dagegen ist ein fixer Zeitungsmann durch und durch. Erst arbeitet er für die „Revue“, später setzt er mit über 2000 Foto-Reportagen für das „Luxemburger Wort“ einen Standard im Großherzogtum.

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