Kunst in der Uniklinik

Ein Gedicht hatte die Kraft der Inspiration

Professor Bernhard Schick freute sich über die Bilder von Ruth Dahl, die jetzt im Atrium der HNO-Klinik ausgestellt werden. FOTO: Foto: Sebastian Dingler

Homburg. Die Künstlerin Ruth Dahl stellt zurzeit in der HNO-Klinik der Homburger Uni-Klinik eine außergewöhnliche Bilderserie aus.

Ein Gedicht von Else Lasker-Schüler war es, das die Malerin Ruth Dahl zu einer ganzen Serie von Bildern inspirierte. „Wenn du sprichst, wacht mein buntes Herz auf“ heißt es darin. „Da wacht auch mein buntes Herz auf, wenn ich euch so sehe“, sagte die Kirrbergerin bei der Ausstellungseröffnung im ersten Obergeschoss der HNO-Klinik (Gebäude 06) zu den Besuchern. Etwa 30 waren gekommen um sich die 46 Gemälde anzusehen und auch um den Eröffnungsreden von Gastgeber Professor Bernhard Schick und der Künstlerin selbst zu lauschen. „Das ist gar nicht so einfach, in diesem wunderbaren Raum die Kunst auszustellen“, erzählte Schick, „man überlegt, man hängt um, man hängt auf; das kostet ein Wochenende Arbeit, bis man alles gestaltet hat. Dann freut man sich am Sonntagabend über die Schönheit, die entstanden ist.“ Er selbst sei ja Naturwissenschaftler und ein Mensch, der viel nachdenke. Aber er sei auch ein Mensch mit viel Herz, der vieles mit Leidenschaft mache und der sich gerne den Menschen zuwende. „Das ist für mich Kunst - ein hörendes Herz“, meinte der Professor. Ihm sei es wichtig, dass die Klinik mit der Ausstellung ein Gesicht bekomme, und: „dass man gerne zu uns kommt.“
Ruth Dahl erzählte von ihrer Begegnung mit der Malerin Marlis Glaser, die in Attenfeld am Bodensee wohnt und sich ihr ganzes Leben mit dem Judentum allgemein und mit Else Lasker-Schüler im Besonderen beschäftig habe. Die Faszination für die deutsch-jüdische Schriftstellerin, die in den 1920ern „eine Femme fatale der Berliner Salons“ gewesen sei und von den Nazis verfolgt wurde, sprang auf Ruth Dahl über: „Das hat mich nicht mehr losgelassen.“ Mit ihrer Malgruppe habe sie drei Tage lang mit dem besagten Gedicht gearbeitet und war anschließend sehr beeindruckt davon, wie unterschiedlich die Bilder dazu ausfielen. „An der Malerei kann man so schön sehen, wie tief anders jeder von uns ist“, sagte sie. Ihre eigenen Werke sind dem Gedicht entsprechend sehr bunt und wechseln zwischen reinen Farbkompositionen und Portraits ab. „Es ist immer so, dass ein Gedanke hinter einem Bild steht. Ich kann nur ganz schlecht was machen, wenn ich vorher kein inneres Bild habe.“

Zu den konkreteren Gemälden gehören verschiedene Portraits von Else Lasker-Schüler, zum Beispiel eines mit zwei sehr unterschiedlichen Gesichtshälften. „Da habe ich sie mit ihrem Schicksal nachempfunden“, erklärte die 66-jährige Künstlerin. Lasker-Schüler habe zum einen euphorische, zum anderen tief betrübte Charakterzüge besessen. Außerdem habe sie eine zeitlang sehr freudig gelebt und viel ausprobiert, war befreundet mit vielen anderen Künstlern der Zeit wie Oskar Kokoschka, Franz Marc oder Gottfried Benn; dann aber habe sie schlimme Schicksalsschläge mitmachen müssen wie den Tod ihres Sohnes und die Verfolgung durch die Nazis.
Über einen ehemaligen Verwaltungsangestellten kam der Kontakt zwischen der Malerin und dem Professor zustande. „Mir war sofort klar, das wir gut miteinander können“, sagte Ruth Dahl dazu. Das lichtdurchflutete Atrium dürfte ein idealer Ort sein für Dahls beeindruckende Bilder.

Die Ausstellung läuft noch bis zum 24. November.


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