Unsere Woche

Grubenwasser ist in aller Munde

FOTO: SZ / Robby Lorenz

Es ist nicht nur das regionale Thema der Woche, sondern sicher auch das der kommenden Monate: das Abstellen der Pumpen unter Tage. Und das wirft sehr, sehr viele Frage auf.

Zugegeben,  die Formulierung „Grubenwasser  ist  in aller Munde“  ist  unappetitlich und kalauert, beschreibt aber die aktuelle Situation in der Region. Fast jeder, der nicht gerade auf der Insel der Glückseligen im nördlichen Saarland lebt, macht sich Gedanken wegen der  Pläne  der RAG, die Gruben in zwei Schritten bis 2035 volllaufen zu lassen und die Brühe oder, was auch immer dann oben ankommt, in die arme Saar  einzuleiten. Zwar ist das Vorhaben schon seit 2015 in der Welt, schlägt aber erst so richtig Wellen in der Bevölkerung seit Leute wie der Illinger Bürgermeister Armin König  der RAG die rote Karte zeigen. Dass sich am Montagabend zur besten Fernsehzeit mehr als 800 Leute nach Merchweiler aufgemacht haben, um sich weiter informieren zu lassen, zeigt, wie groß die Unsicherheit ist.  Merchweiler ist ein wohl gewählter Ort, schließlich ist  die Gemeinde  noch heute  gezeichnet von den Auswirkungen des Kohleabbaus von Göttelborn aus. Jahrelang hinkte  man  den Nachbarn bei der Entwicklung hinterher, weil wegen der Schadenssituation Stillstand herrschte.  Das will hier niemand mehr erleben.

Wenn der Experte Prof. Jürgen Wagner von „möglichen  Bewegungen an der Oberfläche“  spricht, stellen sich vielen Hausbesitzern die Nackenhaare auf. Und die Männer, die untertage gesehen haben, welche chemischen Stoffe  dort verschüttet, vergessen, verklappt worden sind, kann es kaum trösten, wenn Wagner sagt, dass beispielsweise das üble PCB „superhydrophob“ sei.  Es also mit Wasser keine Verbindung eingehe, sondern sich allenfalls an „Teilchen“ anhefte. Aha.

„Bedenkenträger“ ist ein negativ besetzter Begriff. Zurzeit wächst aber die Zahl der Bedenkenträger bei kommunalen Körperschaften und bei den Bürgern. Das Oberbergamt als Genehmigungsbehörde für die RAG-Pläne  wird ein paar  große Kisten aufstellen müssen, um all die in Briefen formulierte Bedenken zu lagern. Und dann wollen  Schriftstück für Schriftstück durchgesehen und geprüft werden.  Noch bis zum 15. Januar dauert die Frist, um Bedenken-Briefe ans Oberbergamt in Reden zu schicken oder dort abzugeben. Übrigens gehört jetzt auch der Landkreis Neunkirchen zu den Bedenkenträgern. Wegen Sorge ums Trinkwasser und um kreiseigene Immobilien.


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