Gemeinsamer Mittagstisch

Gemeinsames Essen gegen die Einsamkeit

Senioren aus der Umgebung treffen sich einmal im Monat zum Mittagessen in der Schafbrücker Mühle in Ottweiler. Der Seniorenbeirat der Stadt organisiert den Mittagstisch. Hintere Reihe, Dritter von links, Gerd Amman, Vorsitzender des Beirates. FOTO: Andreas Engel

Ottweiler. Ottweiler  bietet monatlich einen gemeinsamen Mittagstisch für Senioren. Die SZ war beim ersten Termin 2019 in der Schafbrücker Mühle dabei. Im Kreis gibt es sieben dieser Einrichtungen.

   „Mir müsse anbaue“, ruft Jutta Kirf ihrer Kollegin Petra Müller zu. Der Andrang zum Senioren-Mittagstisch ist diesmal so groß, dass noch  mehr Tische von den beiden Service-Kräften in der Schafbrücker Mühle eingedeckt werden müssen. Über 50 Leute, überwiegend Damen mit flotten Kurzhaarschnitten, sind gekommen, um sich das Menü mit Broccolicremsuppe, Schweinefilet in Rahmsauce mit Kroketten und Gemüse und anschließend Bayrische  Creme mit Pfirsichsauce schmecken zu lassen. Schon eine halbe Stunde vor dem offiziellen Beginn der Veranstaltung füllen sich die Plätze an der langen, schön gedeckten Tafel. „Prost Neujahr“ rufen viele beim Betreten des hellen Nebenzimmers der Gaststätte. Man sieht sich zum ersten Mal in 2019. Mittendrin Gerd Amman vom Seniorenbeirat  der Stadt Ottweiler als Initiator und Veranstalter. Der 74-Jährige zählt zu den Jüngeren im Saal, die älteste regelmäßige Teilnehmerin ist 94 Jahre alt. Auf Anregung der Kontakt- und Informationsstelle im Saarland, kurz Kiss, wurde der gemeinsame Mittagstisch vor gut zwei Jahren ins Leben gerufen. Eine Erfolgsgeschichte, wie Gerd Amman zu berichten weiß. Beim ersten Mal waren knapp 30 Personen dabei, nun ist es jeweils  rund ein halbes Hundert. Und die wollen keine zusätzliche Bespaßung mit Turnübungen oder einem Spaziergang, sondern einfach in gemütlicher Runde beisammen sitzen und sich unterhalten. „Unverträglichkeiten oder spezielle Extrawürstchen kennen wir in dieser Runde nicht“, freut sich Amman über den gesunden Appetit der Truppe. Immer für 7,50 Euro wird das Menü vom Team der Schafbrücker Mühle mit Familie Ulrich und Petra Alles angeboten und ist nach einhelliger Meinung „vorzüglich“.  Oft gibt es auch die beliebte Hausmannskost wie Rouladen mit Rotkraut oder auch gefüllte Klöße. Gerne gegessen wird alles, was die Küche der Schafbrücker Mühle am Stadtrand von Ottweiler  (Wiebelskirchen ist nicht mehr weit) auf die Teller bringt.

 Anne und Willi Dresch, 80 beziehungsweise 84 Jahre alt, sind am Besuchstag der SZ die ersten Gäste. „Wir kommen wegen der netten Gespräche und der Gelegenheit, Leute kennenzulernen“, so das Ehepaar, das  sich 2011 in Ottweiler niedergelassen hat. Wie das Gros der anderen Senioren sind die beiden weiter dank ihrer Autos mobil,  Fahrgemeinschaften erleichtern dem Stammpublikum die Anreise. Einen Hol- und Bringservice gibt es nicht, wohl aber die Möglichkeit, mit dem Ottweiler Bussi bis zur Haltestelle Schafbrücker Mühle anzureisen.  Erst kürzlich ist eine 87-jährige Dame, die gerne erzählt, ihren Namen aber nicht in der Zeitung lesen möchte, nach Ottweiler gezogen. Der Sohn lebt hier; sie hatte ihren Lebensmittelpunkt bislang in der Pfalz. Sie ist zum ersten Mal beim Senioren-Mittagstisch dabei, eine Bekannte hat sie mitgebracht. „Man ist doch froh, wenn man nicht immer alleine daheim sitzt“, sagt sie und erntet zustimmendes Nicken von den Tischnachbarn.  Amanda Wommer, Jahrgang 1934,  beispielsweise berichtet von ihrem 23 Jahre alten Auto, mit dem sie noch gerne auf Kurzstrecken unterwegs ist.

Ob die Treffen öfter stattfinden sollten?  Gerd Amman will sehen, ob ein 14-tägiger Rhythmus angenommen werde, will auch erkunden, ob es eventuell finanzielle Hilfen geben könnte  für Leute, die sich Auswärts-Essen nicht leisten können. Zwar sei man jetzt  mit einem Getränk mit rund zehn Euro dabei, doch könnte das für Rentner mit sehr kleinen Bezügen doch zum Problem werden. Unter den Bildern mit fröhlichen Zechern an den Wänden genehmigen sich einige Teilnehmer auch mal ein Weinchen oder ein Bier, die meisten genießen aber eher Apfelschorle oder Mineralwasser.  Denn im Mittelpunkt der zwei Stunden in der Schafbrücker Mühle steht das „Sprooche“.  Gerd Amman hat bei seiner kurzen Begrüßung leichte Probleme mit der Lautstärke im Plenum. Er ist aber auch rasch fertig mit seinen kleinen Hinweisen zur aktuellen Situation bei den Renten oder der Pflege.  Von Problemen und Politik will kaum einer hören, man ist gekommen, um es sich einfach gut gehen zu lassen.


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