Ausstellungen

Türöffner hier, zerstörte Türen da

Eine mit biblischen Motiven spielende Foto-Arbeit von Toan Daubin mit dem Titel „Off 2018“.FOTO: Ingeborg Knigge/HBK Saar / Ingeborg Knigge

Saarbrücken . Die Hochschule für Bildende Künste Saar (HBK) und die Kunsthochschule Nancy verstärken ihre Zusammenarbeit. In der HBK-Galerie zeigen die französischen Studenten derzeit aktuelle künstlerische Positionen.

2018 organisierte die Hochschule der Bildenden Künste Saar an der École nationale supérieure d‘art Nancy (ENSAD) eine Ausstellung zu Frans Masereel, die nicht nur bei den zahlreichen Besuchern Lust nach Mehr geweckt hat. Die Hochschulen waren so angetan von der Zusammenarbeit, dass man weitere Projekte vereinbarte. Weshalb nun eine Ausstellungskooperation mit studentischen Arbeiten folgt. Die Saarbrücker gastierten im März in Nancy, nun stellen die Franzosen hier aus.

 15 Studierende der ENSAD präsentieren aktuelle Arbeiten in der Galerie der HBK. Die französischen Lehrkräfte konnten ihre Studierenden der freien Kunst, des Kommunikations- und des Produktdesigns vorschlagen, die deutschen Kuratoren sich dann die besten Arbeiten heraussuchen. Ist die Kunst der Franzosen anders? „Die Unterschiede sind nicht groß, aber es gibt sie. Die Herangehensweise der Franzosen ist oft spielerischer als bei unseren Studierenden“, sagt HBK-Rektorin Gabriele Langendorf. Und welche Gemeinsamkeiten gibt es? Laut Kurator Andreas Bayer die, dass es ihnen hüben wie drüben schwer fällt, ihre Werke zu beschreiben.

 Die Arbeiten der 1996 in Reims geborenen Manon Nicolay zeigen schon jetzt eine erstaunliche Reife und Ästhetik. Nicolay arbeitet vor allem mit der Dekonstruktion von Alltagsmaterialien. Die Französin zeigt eine weiße Kassettentür, die frei im Raum steht. Beim Betreten des Raumes sieht man ein vollständiges Türblatt. Die Oberfläche der Rückseite wurde hingegen gewaltsam entfernt, und nur das Füllmaterial und die Formen der Kassettenornamentik sind noch erkennbar. Für Nicolay ist die Tür Symbol für die Grenze zwischen öffentlichem und privatem Raum. Hinter der „schönen“ Außenfassade tobt die häusliche Gewalt, die für den Außenstehenden nicht erkennbar ist. Es ist die stärkste Arbeit der Ausstellung.

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