Debatte im Landtag

Saar-Parteien streiten über Alterstests per Röntgen für junge Flüchtlinge

Um im Zweifelsfall festzustellen, ob jemand minderjährig ist, kommen Röntgentests zum Einsatz. FOTO: dpa / Felix Kästle

Saarbrücken.

Sollte der Staat Röntgenbestrahlung einsetzen, um das Alter von Flüchtlingen zu ermitteln? In dieser Frage ist sich die Koalition im Saarland uneins. Anlass der Debatte ist ein Beschluss, den der SPD-Landesparteitag am Samstag getroffen hatte. Die Sozialdemokraten fordern, die Röntgen-Untersuchungen junger Flüchtlinge zum Zweck der Altersbestimmung zu stoppen.

Die zentrale Vorclearing-Stelle am Schaumberger Hof in Tholey koordiniert diese Alterstests seit Februar 2016. Bis heute mussten sich nach Angaben des Sozialministeriums von 893 unbegleiteten Flüchtlingen 608 einer entsprechenden Röntgenuntersuchung unterziehen. „Nach qualifizierter Inaugenscheinnahme und pädagogischer Befragung“ seien sie „als nicht zweifelsfrei minderjährig eingeschätzt“ worden. Das Ergebnis: Von 608 erwiesen sich 291 als volljährig.

Zur Altersfeststellung reicht in der Regel ein Röntgenbild des Handgelenks. „Sofern dann noch immer Zweifel bestehen, erfolgt eine Röntgenuntersuchung des Gebisses (Wachstumsentwicklung/Zahnentwicklung) und eine Röntgenuntersuchung der Schlüsselbeine“, erläutert das Ministerium auf Anfrage. Die Tests werden dann nötig, wenn ein Flüchtling keine Ausweispapiere hat oder wenn körperliche Indizien wie Bartwuchs Zweifel an der Minderjährigkeit rechtfertigen. Der Saarbrücker Radiologe Stephan Petry hat ethische Bedenken. Er sagt: „Bestrahlung ist zunächst einmal Körperverletzung.“ Für eine Röntgenuntersuchung sei normalerweise immer eine medizinische Indikation nötig.

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