Eine Antwort auf Äußerungen des Innenministers

„Ein Bädervernichtungsprogramm“

Rolf Schultheis. FOTO: Iris Maria Maurer

Friedrichsthal. Friedrichsthals Bürgermeister Rolf Schultheis reagiert auf Äußerungen von Innenminister Klaus Bouillon.

Auf den Artikel „Bouillon will höhere Bäder-Eintrittspreise“ (SZ vom 29. November) hat der Friedrichsthaler Bürgermeister Rolf Schultheis reagiert. Bäder müssten, so Schultheis, selbstverständlich einen angemessenen Kostendeckungsgrad aufweisen. Auch müssten Nutzer dieser Einrichtungen bereit sein, einen adäquaten Preis dafür zu zahlen, um den Zuschussbedarf in Grenzen zu halten. Bäder seien aber auch die am meisten genutzten öffentlichen Einrichtungen, die einen unverzichtbaren Teil der lokalen Daseinsvorsorge darstellten und deren sozialer Aspekt nicht unberücksichtigt bleiben dürfe. Die Bedeutung der Bäder für  Gesundheit, Fitness und Erholung der Bürger sei unbestritten, „deshalb müssen die Eintrittspreise so ausgewogen gestaltet sein, dass die Einrichtungen für die Nutzer auch weiterhin bezahlbar bleiben, insbesondere auch für die Bürger, die es sich aufgrund ihrer Einkommenssituation oder familiären Situation sonst nicht leisten können“.

Preiserhöhungen, die letztlich nur dazu führten, dass es infolge rückläufiger Besucherzahlen zu Einnahme-Ausfällen kommt, seien  kontraproduktiv und stellten letztlich nur ein Bädervernichtungsprogramm dar. Schultheis: „Die Städte und Gemeinden, die ihre Bäder geschlossen haben, haben ihren Haushalt damit auch nicht saniert. Die tatsächliche Haushaltsproblematik sollte den Verantwortlichen mittlerweile bekannt sein. Wer den Betrieb eines Hallen- und Freibades nur aus betriebswirtschaftlicher Sicht betrachtet, verkennt die gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die letztlich dahinter steht. Diese darf zukünftig nicht die alleinige Sache der Kommunen sein, hinter der sich Bund und Land verstecken. Insofern ist es richtig und endlich an der Zeit, dass nun ein Förderprogramm zur Sanierung dieser Einrichtungen aufgelegt wird. Betreiber von Hallen- und Freibädern, die eine Unterstützung einfordern, dürfen deshalb nicht als Bittsteller behandelt werden. Sie werden nur ihrer gesellschaftspolitischen Verantwortung gerecht.“

Was den Zuschussbedarf angeht, so beziffert diesen Karlheinz Christmann, der Geschäftsführer der KDI, die das Sulzbacher Vopeliusbad betreibt, für deren Hallenbad auf derzeit 20 Prozent. Der saarländische Innenminister Klaus Bouillon hatte von einem erforderlichen 60 Prozent-Deckungsgrad in den saarländischen Bädern gesprochen. Das, so Christmann, würde die Eintrittspreise enorm erhöhen. Die Verluste – Stand 2016 – beliefen sich im Sulzbacher Hallenbad auf 22 Euro pro Badegast, in Friedrichsthal sind es aktuell acht Euro.

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