Das „Salam“ klingt noch holprig

Seit dem Schuljahr 2015/16 besuchen rund 100 Grundschüler im Saarland den Islamunterricht. Insgesamt gibt es mehr als 9000 Schüler muslimischen Glaubens an den Schulen. Symbolbild: dpaFOTO:

Saarbrücken. An vier Grundschulen begann im Schuljahr 2015/16 der „Modellversuch Islamischer Religionsunterricht im Saarland“. Ein Vorstoß, der auch für einigen Gegenwind sorgte. Doch wie läuft der Unterricht ab? Die SZ saß mit auf der Schulbank.

11.05 Uhr an der Kirchberg-Grundschule in Saarbrücken : In einem kleinen Klassenraum im zweiten Stock treffen nach und nach etwa 15 Schülerinnen und Schüler der zweiten Klasse ein. Normalerweise findet hier Türkisch-Unterricht oder Sprachförderung statt. Einige der zusammengewürfelten Stühle wackeln. Eine Tafel gibt es nicht, vielleicht im nächsten Jahr. An der Wand hängen selbstgebastelte Plakate. "Wir sind Muslime" steht auf einem, daneben hängen bunt ausgemalte Papiermännchen.

"As-salamu alaikum", begrüßt Lehrerin Yesim Tasci ihre Schüler zum islamischen Religionsunterricht . Die Antwort kommt noch etwas holprig, beim zweiten Versuch klappt es besser. Das sind die einzigen arabischen Worte, die heute fallen. Danach wird erst einmal das Alphabet wiederholt. Da hier Kinder aus mehreren Klassen zusammenkommen, muss Tasci überprüfen, wie gut die Deutschkenntnisse jedes Einzelnen sind, bevor sie überhaupt mit dem eigentlichen Stoff beginnen kann - nur eine der Schwierigkeiten, die es zu überwinden gilt. Das Interesse für den Islam ist bei den Zweitklässlern noch gering, was sich auch auf ihre Konzentration niederschlägt. Mustafa und Semi wollen gerade lieber rechnen als deutsche Wörter zu üben. Mustafas Vater gehe zwar in die Moschee, zu Hause beteten beide Familien aber nicht, sagen sie.

Am Anfang des Lehrplans stehen jedoch ohnehin wenig islamspezifische Themen, "Gemeinschaft aller Menschen" lautet etwa eine Überschrift. Im ersten halben Jahr gehe es darum, dass die Kinder ihre Persönlichkeit entdecken, sagt Tasci - das fange bei der banalen Frage nach der Lieblingsfarbe an und reiche bis zum Erkennen der eigenen Stärken. Aber auch der Umgang mit den Mitmenschen solle vermittelt werden. Später komme es dann schon mal vor, dass die Schüler selbst Inhalte einbringen wollen oder sich für andere Religionen interessieren. An der Saarbrücker Grundschule Füllengarten seien deshalb in den dritten und vierten Klassen schon religionsübergreifende Unterrichtsstunden abgehalten worden.

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